Nach dem Rezeptmarathon der letzten zehn Wochen scheint mir ein Nachtrag nötig. Es geht um den Single, dem ich einige der Rezepte gewidmet habe. Wer gezwungen ist, für sich und sonst niemanden zu kochen (oder es freiwillig auf sich nimmt), hat logistische Schwierigkeiten, von denen sich kaum jemand ein Bild machen kann, der nicht wenigstens einmal, und sei es nur für eine Woche, allein durchs Haus irrte und täglich den Kalender befragte, wann denn sein Eremitendasein zu Ende sei. Ich hab's erlebt und fand es gräßlich.

Am meisten irritierte mich meine zunehmende Bereitschaft zum Verzicht auf den gedeckten Tisch und die Requisiten der Tischkultur. Gefrühstückt habe ich nur deshalb im sonnigen Garten am Tisch, weil er direkt vor der Küchentür steht. Manchmal war mir sogar das zu lästig, und ich trank meinen Tee im Stehen in der Küche, wozu ich nicht einmal die Milch in die Silberkanne umgoß, sondern sie in ihrer ekligen Plastikflasche in Reichweite abstellte.

Wäre mir Frau Hoffmann nicht ein Vorbild gewesen, indem sie ihr Futter auf zierlichste Weise fraß, wozu sie sich anmutig vor ihrem Teller niederließ und ihn, als er leer war, sauber ausleckte - wer weiß, ob ich nicht wie eine Wildsau in den Vorräten gewütet hätte. Kleine Gratins sind kein Problem; sie gelingen sogar in großen Formen, weil ich die ja nicht hoch auffüllen muß. Doch für alle anderen Gerichte sind die üblichen Pfannen und Kochtöpfe zu groß. Ich rede von den guten Töpfen, in denen sich Kochkunst realisieren läßt. Billiges Blechgeschirr für die Puppenküche interessiert hier nicht. Lediglich eine gußeiserne Spiegeleipfanne, die in der hintersten Ecke der Küche die Saison verschläft, entsprach meinen einsamen Bedürfnissen (zu denen das Spiegelei nicht gehört). Gourmettöpfe für viele hungrige Gäste gibt's en masse. Doch worin schmort man eine Kaninchenkeule?

Kein Händler verkauft eine einzelne Kaninchenkeule. Dürfen es nicht zwei sein, mein Herr? Sie haben heutzutage alles. Aber immer für zwei Personen. Die einzigen Portionen, die ich beim Metzger kaufen kann, ohne tagelang daran zu kauen, sind Rinderfilets und ähnliche Stücke. Leider bin ich kein Freund der Scheibchenbraterei. Ich mag lieber eine Kalbsniere. Oder ein Bries. Wunderbar zart und der ideale Hauptgang für zwei Personen. Sollte sich ein Metzger herablassen, eine Kalbsniere zu halbieren, kann man sicher sein, daß das Kalb die Ausmaße eines Mastodons hatte und seine Niere ähnlich monumental ist, also wenig delikat. Einzelteile von (Batterie-) Hühnern haben bei mir keinen Zutritt.

Es muß ja nicht immer Fleisch sein, meint mein Fischhändler. Heute hat er frische Gambas, 100 Gramm für 6 Mark, das ist genau das richtige Futter für den Single. Allerdings müßte der in Südfrankreich leben, um von diesem Angebot Gebrauch machen zu können. Auch Rotbarben, Sardinen, Tintenfische, Jakobsmuscheln haben für einen Single die passenden Größen.

Gemüse ist ideal. Tomaten, Zwiebeln, Lauch, Kartoffeln kann man einzeln kaufen. Doch den Blumenkohl zerschneiden sie nicht, und auch Sellerieknollen verkaufen die Bauern hier nur als Ganzes. Für den Einzelesser ist das viel zuviel. Für einen Salat brauchte ich rote Bete. Die wird fertig gekocht angeboten. Das ist sehr praktisch für den Single. Die eine rote Bete (feingewürfelt im gemischten Salat mit Pinienkernen, Nuß- und Olivenöl im Verhältnis 25 : 75, Balsamico, rohen Champignons), diese dunkelrote Knolle mit der Farbkraft eines defekten Füllhalters, ist kleiner als ein Tennisball. Doch gewürfelt im Salat des Singles, ist sogar eine halbe Knolle zuviel. Kartoffeln kochen ist lästig. Also aß ich Reis. Der läßt sich auch gut aufwärmen. Dadurch bekam bereits nach drei Tagen meiner experimentellen Lebensweise die Resteverwertung eine ungeahnte Bedeutung. Denn von allem blieb etwas übrig. Vielleicht können routinierte Singles so ökonomisch einkaufen, daß sie mich für einen Trottel halten; möglicherweise profitieren sie von einer gesteigerten Lebenslust mit entsprechendem Appetit. Mir war es nicht gegeben, aus dem mir gegenüberstehenden leeren Stuhl irgendwelchen kulinarischen Ansporn zu gewinnen.