Mehr als zwölf Millionen Zuschauer waren daheim dabei, als der Radler Jan Ullrich am 27. Juli auf den Champs-Elysées seinem triumphalen Sieg der Tour de France entgegenfuhr. Dem Formel-1-Lauf am Hockenheimring mit Michael Schumacher am gleichen Tag folgten im Durchschnitt nur gut 8,5 Millionen.

Erster Sieger: die ARD vor RTL. Das "Gelbfieber" der Deutschen verhalf dem Ersten Programm sogar zum Sieg nach Quoten in der Juli-Wertung der Fernsehsender.

Zwischen 4,7 und 4,8 Millionen schalteten sich ein, als es am ersten Sonntag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften Anfang August in Athen um Medaillen im Frauen-Siebenkampf, Hammerwurf und bei den 100-Metersprints ging. Tags zuvor wollten dagegen nur 4,67 Millionen den Start in die neue Fußballbundesliga-Saison in der Sendung "ran" verfolgen.

Erster Sieger: das ZDF vor Sat.1.

Noch gelingt es den öffentlich-rechtlichen Anstalten, den Privatsendern gelegentlich ein Schnippchen zu schlagen - dank einzelner Sportstars, die für Siege sorgen. Mehr noch als die Quotenbringer Spielfilme und Sex lockt Spitzensport die Massen vor den Bildschirm - als letztes großes Gemeinschaftserlebnis in einer sich immer stärker individualisierenden Medienwelt. An der Spitze der attraktiven Sportarten steht hierzulande indes - mit großem Abstand - der Fußball. Allenfalls einzelne nationale Heroen mit Ausstrahlung wie Boris Becker, Henry Maske, Michael Schumacher oder Jan Ullrich können da mithalten.

Ballartisten, Faustkämpfer und sensible Bleifüße vor allem sollen einem neuen Medienmarkt auf die Beine helfen. Die beiden großen Spieler der Branche, die Münchner Kirch-Gruppe und der Medienkonzern Bertelsmann, rüsten gemeinsam für die digitale Fernsehzukunft. Auf der am Sonnabend beginnenden Funkausstellung in Berlin soll das breite Publikum darauf eingestimmt werden.

Anders als beispielsweise in Frankreich und England steckt digitales Fernsehen hierzulande noch in den Kinderschuhen. Die neue Übertragungstechnik ermöglicht zwar eine ganze Fülle weiterer Programme, doch von einem Erfolg kann nicht die Rede sein. Einziger Anbieter bisher: der Münchner Filmhändler Leo Kirch mit seinem Digitalsender DF 1, der kaum mal 50 000 Abonnenten gewinnen konnte. Der Grund: Mit rund 800 Mark ist der Decoder, der die digitalen Signale auf den Bildschirm bringt, zu teuer. Hinzu kommen Programmpakete von 20 Mark und mehr pro Monat. Überdies: Die Zuschauer in der Bundesrepublik können unter einer Fülle frei empfangbarer Sender wählen - oft mehr als dreißig.