Die Revolution hat keine Hemmungen. Die Hallen der Funkausstellung in Berlin, die am Wochenende beginnt, bersten vor digitalen Maschinen. Fernsehbilder auf dem PC-Schirm, Nachrichtenströme, die nach individuellen Interessen gefiltert werden, Fernsehen und Radio übers Computernetz, Online-Dienste im Kabel, Spielfilme per Telephonleitung. Unternehmen finden zu den wundersamsten Gemeinschaften zusammen.

Die Verschmelzung von allem mit allem: eine ausgemachte Sache. Die Medien werden eins, heißt es, am Ende bekommen wir den universellen Empfänger für alles. C|net, das führende Netzmedium in Sachen Digitaltechnik, schwärmt von der Vereinigung von PC und TV zu "einem umwerfenden Megatainment-Gerät". Das deutsche Branchenblatt InSight sieht die "kontinuierliche Verschmelzung von TV und PC". Das Magazin Business Online hält "das weitere Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen" für absehbar. Wohin man auch guckt, es wird verschmolzen, vereint, zusammengewachsen.

Konvergenz heißt das Zauberwort dafür. Selbst in der Medien- und Computerbranche gibt es noch Leute, die sich erinnern, wann dieses Wort ihr Gewerbe erfaßte. Das war 1992, als John Malone, Chef des US-Fernsehriesen TCI, eine Rede hielt von der Konvergenz, von den 500 Fernsehkanälen im digitalen Kabel und vom interaktiven Fernsehen.

Eingeweihte lächeln heute weise, wenn man sie an die 500 Kanäle erinnert; erst müßten wir einmal wissen, was die senden sollen. Das interaktive Fernsehen gilt nach teuren Feldversuchen als Flause. Nur die Konvergenz hat überlebt. Drei Branchen - Computer, Telekommunikation, Medien - singen ihr Credo.

Wenn man es recht bedenkt, ist die Idee eines universellen Mediums jedoch seltsam, mehr noch die eines universellen Mediengeräts. Sie mutet an wie die Vorstellung, eines Tages würde eine einzige Maschine im Haushalt alles erledigen: waschen, spülen, saugen und vielleicht auch noch den Garten sprengen.

Warum wird eine solche Haushaltsmaschine nicht gebaut? Ganz einfach: Niemand braucht sie. Niemand will sie. Sie ist viel zu teuer. Und wenn sie kaputt ist, sind wir aufgeschmissen. Das Konvergenzgerät jedoch, die verschmolzene perfekte Multimedia-Maschine, die sollen wir kriegen. Sie werde auch, heißt es, keinesweg als Flop enden wie so vieles, was die Branche sich in den letzten Jahren ausgedacht hat. Denn nun haben wir das Internet.

Das Internet ist der Medienhit der neunziger Jahre und grauenhaft primitiv. Genau das garantiert seinen Erfolg. Wirklich jedermann kann die standardisierte Technik des World Wide Web verstehen und einsetzen. Selbst Kinder bauen Seiten mit HTML-Formatierungen und veröffentlichen sie im Netz. Bloß für ernsthafte Aufgaben eignet sich die Web-Technik nicht. Datenbankzugriff, Online-Shopping, kluge Bedienungsoberflächen, anspruchsvolle Typographie, Verwaltung und Wiederverwertung großer Datenmengen - all das muß man ihr mit Gewalt abpressen.