Haben die deutschen Fernsehzuschauer plötzlich Heißhunger auf Nachrichten bekommen? Lassen der Börsenboom und die erfolgreiche Plazierung der "Volksaktien" Telekom und ProSieben die zahlreichen Neuaktionäre ihren Hang zum Unterhaltungsslalom mit der Fernbedienung vergessen, gieren sie plötzlich nach Live-Analysen vom Börsenparkett? Diesen Eindruck zumindest könnte gewinnen, wer die Aufbruchstimmung im Nachrichtengeschäft beobachtet, das doch bislang eher ein Schattendasein auf dem deutschen Fernsehmarkt fristete.

Und das, obwohl der einzige deutsche Nachrichtensender, n-tv, zum Jahresende immerhin seinen fünften Geburtstag feiert, ebenso wie der inzwischen sechssprachige europäische Nachrichtenkanal Euronews. Auch der internationale Ableger des spätestens seit dem Golfkrieg weltweit bekannten CNN sowie BBC World, der news channel der britisch-seriösen BBC, suchen schon seit Jahren ihren Weg in die deutschen Wohnzimmer - in englischer Sprache und mit mäßiger Resonanz.

Schon diese vier Konkurrenten setzen mehr oder weniger deutliche Akzente auf Wirtschaftsinformation. Vor einigen Monaten haben nun gleich drei reine business channels den Sprung über den Atlantik in den europäischen Fernsehmarkt gewagt - EBN, CNBC und Bloomberg. Insgesamt buhlen damit sieben Nachrichtenkanäle um die Gunst der news junkies in Deutschland (siehe Übersicht), ganz abgesehen von dem ohnehin reichhaltigen Nachrichtenangebot von ARD, ZDF und Co.

Ist die Nachrichtensparte in Deutschland tatsächlich groß genug, um gleich sieben werbefinanzierte Konkurrenten zu ernähren? Zeichnet sich irgendwo am Horizont ein goldenes Zeitalter für Infokanäle ab?

Wer in den nächsten Tagen die Internationale Funkausstellung in Berlin besucht, dem dürfte die Goldgräberstimmung kaum entgehen: Von der kommenden Ära des digitalen Fernsehens erhofft sich die Computer- und Medienbranche einen neuen Schub. Gerade die datenträchtigen Wirtschafts- und Informationssender können aber von den Segnungen der neuen Digitaltechnik in besonderer Weise profitieren: Text, Ton und Bild lassen sich so gleichzeitig und ohne die Kapazitätsprobleme analoger Verfahren übertragen.

In Ansätzen und vor noch leicht ruckelnden Bildern läßt sich die Multimediazukunft bereits heute im World Wide Web besichtigen. Das in diesen Tagen vielgebrauchte Stichwort PCTV nimmt die Verschmelzung von PC und TV zumindest verbal schon vorweg. Vor allem Bill Gates scheint alles daranzusetzen, die "Welt der Personalcomputer mit jener der Fernseher zu verbinden" - die prall gefüllte Microsoft-Kriegskasse wird jedenfalls kräftig für den Aufkauf von Unternehmen wie WebTV geplündert, die sich in diesem Metier bereits einen Namen gemacht haben.

Aber auch die anderen Größen aus dem Computer- und TV-Business wollen ihre Claims nicht zu spät abstecken. Die Wege der TV-Anbieter in die Online-Welt, ins Webcasting, kreuzen sich mit den Gehversuchen der Softwareanbieter und Datendienstbetreiber im Fernsehen/Broadcasting - und beliebtester Treffpunkt ist offenbar die Informationsbranche.