August Forel, ein Mann, der die Ausmerzungsphantasien zahlreicher Forscher beflügeln soll, wird am 1. September 1848 auf einem Landgut bei Morges im Kanton Waadt geboren. Als Junge darf er nicht mit anderen Kindern spielen, ohne Begleitung des Dienstmädchens kann er nicht einmal den Garten betreten. Prüderie plagt ihn, so daß er nie im Freien badet und auch nie schwimmen lernt. Der Landwirtssohn wird in der Schule ein Objekt des Spotts und der Prügel seiner Mitschüler.

August Forel entdeckt zwischen dem fünften und achten Lebensjahr seine Vorliebe für Ameisen, vor allem für die "beiden Sklaven haltenden Ameisenarten der Schweiz". Als Medizinstudent seziert er die Insekten, studiert ihren Kaumagen und ihre Giftblase. Das bestärkt seinen Wunsch, Psychiater zu werden. So hat er es in seiner Autobiographie ("Rückblick auf mein Leben") beschrieben.

1874, Forel ist 26 Jahre alt, erscheint sein erstes Werk über die Ameisen der Schweiz. Dies trägt ihm die Bekanntschaft mit Charles Darwin ein, der die These aufgestellt hat, daß die schlecht Angepaßten durch Auslese ausgemustert werden.

Darwin schrieb von Stiefmütterchen und Purzeltauben, von Pflanzen und Tieren.

Seine Nachfolger ("Sozialdarwinisten") übertrugen den Kampf ums Dasein auf die Sozialgemeinschaft: Minderwertige Menschen vermehrten sich auf Kosten der hochwertigen, die natürliche Auslese werde durch Medizin und Sozialleistungen gehemmt. Darwins Vetter Francis Galton entwickelt daraus seine Erbgesundheitslehre, die "Eugenik" (die Nationalsozialisten werden später von "Erbpflege" reden).

August Forel wird im August 1879 Direktor der Zürcher Irrenanstalt Burghölzli. Um seine Keuschheit zu bewahren, bittet er Freunde, eine "möglichst alte und häßliche Haushälterin zu beschaffen". Eines Tages hört er eine Stimme: "Du mußt Apostel der Wahrheit werden." Der Wahrheitsapostel bekämpft fortan den Alkohol, bekennt sich zum Sozialismus und stellt sich die Frage: "Welche Rassen sind für die Weiterentwicklung der Menschheit brauchbar, welche nicht? Und wenn die niedrigsten Rassen unbrauchbar sind, wie soll man sie allmählich ausmerzen?"

Forel ist einer der ersten Rassenhygieniker. Er sieht einen "Konkurrenzkampf der Rassen", bei dem die Weißen durch die Geburtsraten der "Neger, Japaner und Chinesen" und die Vermehrung der Minderwertigen im eigenen Land bedroht werden. Forel 1904: "Wenn dann die schlechteste Menschenware Dutzende von Dummköpfen, Verbrechern, Krüppeln, Tuberkulösen und sonstigen Mißgestalten erzeugt hat, bauen wir überall Irrenanstalten, Siechenhäuser, Korrektionshäuser, Idiotenanstalten, Epileptikeranstalten, Altersasyle und Zuchthäuser, um die schlimmsten Früchte ihrer Entartung auf unsere Kosten zu versorgen. Und wir merken nicht, daß diese Art Humanität die Kulturmenschheit allmählich zugrunde richtet."