Der Mann ist eine auffällige Erscheinung auf den Internet-Konferenzen dieser Welt: Fünftagebart, weißes Hemd mit Achselklappe, Springerstiefel, Fliegerhose und die passende Brille. Unter all den Yuppie-Gestalten, die dem großen Online-Geschäft hinterherjagen, wirkt Johan "Julf" Helsingius wie ein filmreifer Pilot aus dem Dschungelkrieg. Ganz falsch liegt man damit nicht.

Der 36jährige Finne fliegt tatsächlich, sooft er kann, wenn auch nur zum Vergnügen. Von Berufs wegen aber schlägt er sich seit Jahren durchs Internet, das wegen seiner Unkontrollierbarkeit gerne ein Dschungel genannt wird. Und er hat eine Menge dafür getan, daß das so bleibt.

Bekannt wurde er mit einem ungewöhnlichen Service. Er betrieb jahrelang einen Rechner am Internet, der aus elektronischen Nachrichten den Absender entfernen konnte. Wer Gründe hatte, seinen Namen zu verheimlichen, schickte seine E-Mails fortan einfach an Helsingius' Netzrechner. Der ersetzte die Absenderangabe durch einen Zahlenschlüssel und leitete die Nachricht weiter. Trafen Antworten ein, wurden sie über ebendiesen Rechner dem Absender zugestellt.

Die Netzgemeinde verehrt seither Helsingius als den Schutzpatron der Privatsphäre. Und die angesehene Electronic Frontier Foundation, eine Vereinigung von Netzlibertären, ehrte ihn im März dieses Jahres mit ihrem Pioneer Award, zusammen mit der Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr (siehe ZEIT Nr. 16/97).

Vor allem für politisch Mißliebige aller Länder war seine Technik ein Segen. Sie beschwor aber auch Probleme herauf, von denen sich damals niemand etwas träumen ließ. Heute hat Julf Helsingius alle Hände voll zu tun, bei ihrer Lösung zu helfen.

Sein derzeitiger Hauptberuf hört sich zunächst nicht aufregend an: Helsingius ist Leiter der Produktentwicklung von Eunet International, einer Gruppe europäischer Internet-Anbieter, die fast alle aus frühen Internet-Projekten an Universitäten hervorgegangen sind. Deren Kunden klagen seit einiger Zeit immer lauter über die Unmassen von Werbebotschaften, die ihre elektronischen Postfächer verstopfen - eine Plage, genannt spamming, unter der die ganze Netzwelt leidet. Oft sind die Botschaften nicht einmal ernst gemeint, sondern reiner Unfug, und in den wenigsten Fällen lassen sich dann die Urheber ermitteln. Sie bleiben lieber anonym - mittels der Technik, die Helsingius begründet hat.

Nun aber haben seine Programmierer eine Software geschaffen, die solche ungebetene Post automatisch löschen soll, noch ehe sie die Adressaten erreicht. Das Programm lauert auf den Rechnern der Internet-Anbieter. Treffen dort Nachrichten ein mit verdächtigen Betreffzeilen ("Der Weg zum Reichtum in zehn Schritten") oder notorischen Absenderadressen, schlägt es zu. Seit Juni ist das Programm bei den Eunet-Mitgliedern im Einsatz. Allein in Österreich wurden damit in den ersten vier Tagen 25 000 Massensendungen abgefangen, heißt es in einer Pressemeldung.