Die Formel 1, weltweit anspruchvollste Klasse im Motorsport, wird noch deutscher. Nach den Brüdern Michael und Ralf Schumacher, die in einem Ferrari und in einem Jordan-Peugeot um Weltmeisterschaftspunkte eifern, nach Hans-Harald Frentzen, der einen Williams-Renault steuert, und nach dem Daimler-Benz-Konzern, der Mercedes-Rennmotoren für das britische McLaren-Team liefert, ist demnächst auch BMW wieder dabei. Bereits in den achtziger Jahren waren die Münchner in der Königsklasse aktiv - und erfolgreich. In einem Auto des britischen Rennstalls Brabham errang 1983 der Brasilianer Nelson Piquet den Titel eines Formel-1-Weltmeisters - mit einem Turbomotor von BMW.

Bis 1987 machte der damalige Vorstandsvorsitzende Eberhard von Kuenheim im publicityträchtigen Formel-1-Zirkus weiter mit dann entschied er, daß diese Art der Imagepflege seine Wirkung getan hatte, und sparte fortan rund vierzig Millionen Mark jährlich, die dieses Rennsportengagement damals kostete. Wie bis heute - mit Ausnahme von Ferrari - üblich, stellen die Motorenhersteller ihre Triebwerke nach dem Reglement des Motorsport-Weltverbands FIA in ausgewählten Rennställen nämlich kostenlos zur Verfügung.

Die großen Autokonzerne - in dieser Rennsaison sind außer Mercedes die beiden französischen Hersteller Renault und Peugeot, der zweitgrößte amerikanische Produzent Ford sowie Honda und Yamaha aus Japan dabei - spielen in der Formel 1 in etwa die Rolle von Hauptsponsoren. Gegenleistung ist der Imagegewinn, von dem sich die Absatzstrategen steigende Verkaufszahlen versprechen. Dieses Geschäft funktioniert allerdings nur, wenn die Boliden regelmäßig vordere Plätze belegen, noch bessere Siege erringen und am besten den Weltmeistertitel nach den siebzehn Rennen in einem Jahr holen.

Als BMW vor einem Jahrzehnt aus der Formel 1 ausstieg, waren die Münchner Marketingexperten davon überzeugt, daß die weiß-blaue Marke genügend in Richtung Dynamik und Sportlichkeit getrimmt war - die weltweit stetig wachsenden Verkäufe in den vergangenen zehn Jahren sind auch diesem Markenbild zu verdanken. Seither beteiligte sich BMW an wesentlich preiswerteren Tourenwagen-Rennen. Den Abstand in Geld umriß BMW-Chef Bernd Pischetsrieder kürzlich auf die Frage, warum sein Aufsichtsrat unter Führung seines Vorgängers von Kuenheim zögere, wieder in die teuerste Rennserie der Welt einzusteigen: "Es ist schon ein Unterschied, ob man pro Jahr zehn oder hundert Millionen Mark ausgibt."

Jetzt scheint sich so viel Geld doch zu lohnen. Partner der Münchner wird diesmal Frank Williams sein, der seit 1975 seinen eigenen Rennstall leitet.

Der frühere Autozubehörhändler, nach einem Verkehrsunfall 1985 gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt, hat das erfolgreichste Formel-1-Team der vergangenen Jahre geformt. Nach 1980 sammelte Williams 101 Siege, 6 Fahrer- und 8 Konstrukteurs-Weltmeisteritel. Weil sein aktueller Motorenlieferant Renault sich zurückzieht und die Triebwerke nur noch für zwei weitere Jahre gegen eine Leasingrate von sechzehn Millionen Dollar pro Saison zur Verfügung stellt, mußte Williams einen seriösen anderen Partner finden. Vom Jahr 2000 an werden dann in den Starterlisten Williams-BMW-Renner auftauchen und gegen die Konkurrenz namens McLaren-Mercedes antreten. Auf die Frage, wie schnell er mit Siegen rechne, antwortete Pischetsrieder mit Blick auf die lange Durststrecke von Mercedes: "Unser Ziel ist es nicht, erst nach sechzig Rennen unser erstes Rennen zu gewinnen." Bei den Stuttgartern ist BMW trotz solcher Seitenhiebe als neuer Teilnehmer in der Topklasse willkommen. "Das wertet die Formel 1 auf", kommentierte Norbert Haug, der Sportchef von Mercedes, die schon lange erwartete Nachricht. Nächster Wunschkandidat für ein Comeback ist Porsche.

Die verstärkte deutsche Beteiligung macht das Unternehmen Formel 1 auch attraktiver für den geplanten Gang an die Börse. Das jedenfalls ist die oft erklärte Meinung von Zirkus-Chef Bernie Ecclestone. Für den Gegenwert von 2,4 bis 3,2 Milliarden Dollar soll das verschachtelte Firmenimperium schon bald an die Londoner Börse gebracht werden. Chief Executive will Ecclestone bleiben. Sein Aufsichtsratschef, der frühere Mercedes-Vorstandsvorsitzende Helmut Werner, findet die Idee des Börsengangs nach wie vor "interessant und faszinierend".