Kann ein bestimmter Typ von Führungskraft ein prosperierendes Unternehmen regelrecht zugrunde richten?Er kann, behauptet Patricia Pitcher, und er macht es auch, wenn man ihn ans Ruder läßt.Die Unternehmensberaterin und Professorin an der Hochschule für Handel und Wirtschaft in Montréal, nennt diese äußerst gefährliche Spezies Technokraten.Sie sind einerseits starrsinnig, kopfgesteuert, emotionslos und hart - aber auch energisch, überaus gründlich und entschlossen.Eine fatale Kombination.In ihr em Buch beschreibt sie, wie besonders rigorose Vertreter dieses Typs ein blühendes Versicherungsunternehmen Schritt für Schritt an den Rand des Ruins trieben. Zuerst haben die Technokraten alle Künstler- und Handwerkertypen aus der Führungsetage vertrieben.Die Künstler: wagemutig, warmherzig, intuitiv und visionär.Sie sind eine geradezu ideale Ergänzung zu den Handwerkern, die hart arbeiten und ebenso vertrauenswürdig wie verantwortungsbewußt mit ihren Mitarbeitern umgehen. Aber wie haben die Technokraten es angestellt?Wie konnte es ihnen gelingen, alle anderen auszubooten?Technokraten, so die Autorin, sind erstens brillant und zweitens kalt wie Eis.Sie wirken ungeheuer beeindruckend, wenn sie auf ein Meeting kommen und mit ihren Plänen, Strategien und Prognosen, mit ihren Schlagwörtern, ihren Rezepten und aufgeblasenen Theorien um sich werfen. Normale Sterbliche, so Pitcher, erstarren in Bewunderung und fühlen sich eingeschüchtert.Neben ihren darstellerischen Fähigkeiten haben die grands parleurs (Angeber) noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: Sie gehen strategisch geschickt an zwischenmenschliche Beziehungen heran: Gegner werden langsam und systematisch zugrunde gerichtet, ihre Ideen werden lächerlich gemacht, ihre Glaubwürdigkeit wird untergraben. Ausgelöst wurde der Niedergang der Versicherungsfirma Pitcher zufolge durch einen einzigen kolossalen Fehler.Der frühere Chef des Unternehmens nämlich, von der Mentalität her ein Künstler, wählte einen Mann zum Nachfolger, der das genaue Gegenteil von ihm selbst war.Wie konnte es so weit kommen? Pitcher kennt die Gründe.Der Technokrat war wie ein Chamäleon, mal gebärdete er sich autoritär, mal gab er sich unterwürfig.Sein wohlmeinender Mentor ließ sich blenden. Technokraten gibt es in vielen Branchen und Unternehmen - ein Grund dafür, daß die Nachfolge in vielen Firmen nach dem Ausscheiden des Gründers nicht klappt.Wenn Technokraten überhaupt jemanden schätzen, dann sind es andere Technokraten.Mit vereinten Kräften setzen sie weitere "kompetente Klone" ein.Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch beschreibt die Autorin detailreich und in leicht verständlicher Sprache einen Managertypus, der beileibe nicht nur in Nordamerika anzutreffen ist.Pitcher: "Ic h sah die Technokraten.Ich sah, was sie trieben, und ich wollte beweisen, daß ihre Rezepte, ihre blasierte Selbstgefälligkeit, ihre frommen Sprüche und ihre Predigten gefährlich sind."Das ist ihr gelungen. Patricia Pitcher: Das Führungsdrama.Künstler, Handwerker und Technokraten im Management J.G.Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 1997 300 S., 48,- Mark