Jerusalem

Der fromme Jude aus Miami wird von der israelischen Linken beschimpft als Brandstifter. In einer Karikatur hält der Wohltäter ein brennendes Streichholz in der Hand, ein in der Nähe stehender Benzinkanister mit der Aufschrift "Ras el-Amud" scheint ihn nicht weiter zu stören. Seine beiden Häuser und der dazwischen liegende Bauplatz mitten im arabischen Osten Jerusalems gelten als Symbol für ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Aber in der ewigen Stadt wundert sich kaum jemand über ein Phänomen wie Irving Moskowitz: In Jerusalem nichts Neues.

Die Regierungen der Arbeitspartei und vor allem der frühere Bürgermeister Teddy Kollek haben dort in stillschweigender Übereinkunft längst eine jüdische Mehrheit festgeklopft. Die Zahlen sprechen für sich: 1967 bestand die Bevölkerung aus 197 000 Juden und 68 000 Arabern. Heute sind es 417 000 Juden und 174 000 Araber, bei denen die Infrastruktur zudem schändlich vernachlässigt wurde. Bis heute wäscht Teddy Kollek seine Hände in Unschuld und läßt sich als liberaler Wiener feiern. Seine Politik würde die rechte Regierung gern imitieren, wenn sie das ohne Aufruhr könnte. Doch Ministerpräsident Netanjahu gilt nicht als Liberaler: Seine Maßnahmen werden deshalb weit strenger beäugt. Wie einst Kollek ist der Regierungschef fest entschlossen, Jerusalem zu besiedeln und die israelische Souveränität im Ostteil der Stadt zu festigen. Sein Mittel zum Zweck, das nun plötzlich weltweit Schlagzeilen macht, heißt Irving Moskowitz.

Nicht zum ersten Mal hat der 69jährige Multimillionär seine Hand bei heiklen Entscheidungen mit im Spiel. Als im vergangenen September der berüchtigte archäologische Tunnel in der Jerusalemer Altstadt eröffnet wurde, war der Amerikaner als Ehrengast dabei. Er hatte schließlich der Stadtverwaltung Zuschüsse für die Ausgrabungen bezahlt. Bei den Unruhen, die auf die Tunneleröffnung folgten, starben 65 Palästinenser und 15 Israelis. In den letzten Jahren, so wird geschätzt, soll Moskowitz insgesamt achtzehn Millionen Dollar mittels einer eigenen Stiftung für seine "guten Zwecke" in Israel gespendet haben. Ein Großteil der Gelder war für die jüdische Ansiedlung im muslimischen Viertel der Altstadt und im arabischen Dorf Silwan unterhalb des Tempelbergs bestimmt, das als "Davidstadt" historische Bedeutung hat. Moskowitz' Mittelsmänner gehören der radikalen religiösen Gruppe Ateret Cohanim an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Eigentum in Ostjerusalem zu kaufen.

Moskowitz, Sohn polnischer Einwanderer, wurde 1928 als neuntes von zwölf Kindern in New York geboren und wuchs in Milwaukee auf. Dorthin war die Familie infolge der Wirtschaftskrise gezogen. Schulkameraden erinnern sich an ihn, weil er Wörter so gut rückwärts lesen konnte und mit Comicbüchern handelte. Nach einem abgeschlossenen Medizinstudium an der Universität Wisconsin entdeckte er die Anziehungskraft der Geschäftswelt.

Moskowitz ging nach Los Angeles, um Krankenhäuser und Pensionärsheime zu erwerben, die er später wieder verkaufte. 1980 ließ er sich in Miami Beach nieder seine Stiftung übernahm eine Bingohalle im kalifornischen Hawaiian Gardens, die sich als Riesenerfolg erweisen sollte. Mit dem Gewinn finanzierte Moskowitz Immobilien in Israel und den besetzten Gebieten.

Den heutigen Regierungschef kennt der umstrittene Mäzen seit Jahrzehnten. So hat Moskowitz zum Beispiel ein Forschungsinstitut im Andenken an Netanjahus Bruder Joni mitfinanziert, der bei der Geiselbefreiung von Entebbe 1976 getötet worden war. Der Gönner aus Übersee, der nach eigener Aussage alles tun will, um "Jerusalem für das jüdische Volk zu beanspruchen", leistete auch Wahlhilfe für Benjamin Netanjahu.