Es war alles so irritierend romanhaft, aber der Roman, an den ich denke, ist kein Märchen, auch wenn Dianas Geschichte wie eines begann, und er ist auch keine Seifenoper, auch wenn die lange Saga der streitenden Windsors weiß der Himmel seifig genug war. Ich denke an James Graham Ballards Roman "Crash", dessen Filmadaption durch David Cronenberg vor kurzem Aufschreie im Lager der Zensoren auslöste, vor allem in England. Es gehört zu den dunkleren Ironien eines dunklen Ereignisses, daß die von Ballard und Cronenberg sondierten Themen und Ideen, die viele Briten als pornographisch bezeichneten, in dem Autounfall, der Diana, Princess of Wales, und Dodi Fayed sowie ihren betrunkenen Fahrer das Leben kostete, zur tödlichen Wirklichkeit wurden.

Wir leben in einer Kultur, die ihre Alltagstechnologie erotisiert und verherrlicht - allen voran das Automobil. Wir leben zudem im Zeitalter des Ruhms, in dem Berühmtheiten durch die Intensität unseres Blicks in Waren verwandelt werden - eine Transformation, die oft mächtig genug war, um sie zu zerstören. Daß Ballard in seinem Roman die beiden erotischen Fetische - Auto und Star - in einem Akt sexueller Gewalt zusammenbrachte (einem Autounfall), hatte eine so schockierende Wirkung, daß man von obszön sprach.

Der Tod Dianas ist von genau der gleichen Obszönität. Einer der Gründe, warum er so traurig ist, liegt in seiner scheinbaren Sinnlosigkeit. Zu sterben, weil man nicht photographiert werden möchte! Gibt es etwas Absurderes? Doch tatsächlich ist dieser erschreckende Unfall mit Bedeutung beladen. Er erzählt uns unbequeme Wahrheiten über das, was aus uns geworden ist.

In unserer erotischen Vorstellungswelt kann vielleicht nur noch die Kamera mit dem Auto rivalisieren. Die Kamera - als Reporter - fängt die Nachricht ein und liefert sie uns an die Tür, aber auf schöne Frauen wirft sie oftmals einen schmachtenderen Blick und bietet sie uns zum Genuß dar. Bei Dianas tödlichem Unfall ist die Kamera (als Reporter und Liebhaber) an das Auto und den Star gebunden, der Cocktail aus Tod und Begierde wirkt noch stärker als der in Ballards Buch.

Betrachten Sie es mal so: Das Objekt der Begierde, die Schöne, die Blonde (Diana), ist wiederholt dem unerwünschten Interesse eines hartnäckigen Freiers (der Kamera) ausgesetzt, bis der schneidige, glamouröse Ritter (der sein Auto fährt) mit ihr davonbraust. Die Kamera mit ihrem phallischen Objektivrohr nimmt die Jagd auf. Und die Geschichte erreicht ihren tragischen Höhepunkt, weil nicht ein Held das Auto steuert, sondern ein plumper Säufer.

Man sollte kein Vertrauen in Märchen und galante Ritter setzen. Das Objekt der Begierde sieht im Augenblick seines Todes die phallischen Linsen auf sich zukommen - knips, knips. So betrachtet, wird die Pornographie von Diana Spencers Tod augenfällig. Sie starb während eines sublimierten sexuellen Angriffs.

Sublimiert. Das ist das Entscheidende. Die Kamera an sich ist schließlich kein Freier. Natürlich will sie die Schöne besitzen, sie auf Film bannen, schon aus ökonomischer Gewinnsucht. Doch das ist ein Euphemismus. Die brutale Wahrheit lautet, daß die Kamera für uns arbeitet. Wenn die Kamera voyeuristisch vorgeht, dann nur, weil unsere Beziehung zu der Schönen immer eine voyeuristische war. Wenn Blut an den Händen der Photographen, Photoagenturen und Photoredakteure in den Nachrichtenmedien klebt, dann klebt es auch an unseren. Welche Zeitungen lesen Sie? Als Sie Photos gesehen haben, wie Dodi und Diana herumturtelten, haben Sie da gesagt, das geht mich nichts an, und die Seite umgeblättert?