Es ist ein Herbstmorgen, wie er bayerischer nicht sein kann. Die Ehrengäste, darunter zahlreiche Landräte und Bürgermeister, haben sich auf dem Oberdeck des Kanalschiffes Renate II versammelt. Der Männerchor singt "Die Erde ist schön", und Pater Albin Brandl predigt über die "Verbindung, die die Wasserstraße unter den Ländern ermöglicht".

Fünf Jahre Rhein-Main-Donau-Kanal (RMD-Kanal) sind freilich nicht für alle Anlaß zum Jubeln. "Der Kanal ist da, aber der wirtschaftliche Aufschwung ist minimal, der Landschaftsverbrauch riesig." Diese nüchterne Bilanz zieht Gemeinderat Norbert Finsterer aus Berching, jener Kleinstadt, die durch den Kanal in zwei Teile getrennt wurde. Seither ist in der 2800-Einwohner-Stadt von der "Westside" die Rede, wenn man von den Leuten auf der anderen Seite des Kanals spricht.

"Das enge Sulztal, auch die Altmühl unten, sind weg." Nicht daß dieser am meisten umstrittene Kanalabschnitt wie andernorts eine öde Betonwanne wäre.

"Die haben das streckenweise optisch recht gut gemacht. Aber es paßt irgendwie nicht in unser Tal, weil es eben so überdimensioniert ist." Der Stadtrat sitzt als einer von zwei Grünen im Gemeindeparlament und konnte auch in der dritten Legislaturperiode die meisten Einzelstimmen auf sich vereinen.

Martha Krieger, eine ehemalige Mitstreiterin aus den alten Widerstandstagen, sieht die neue Lage ganz pragmatisch: "Wir sind eindeutig überplant worden.

Wir haben Beleuchtungsanlagen dort unten am Hafen, da möchte man meinen, man ist in Zürich oder sonstwo. Wir haben noble Straßen und gut ausgebaute Flurbereinigungswege. Für die Besucher schaut das vielleicht auch ganz gut aus, aber das will alles erst einmal unterhalten werden." Es bleibe jetzt alles an den Gemeinden hängen, meint Finsterer. "Und wir haben nach wie vor keine Industrie, keine wesentlichen Einnahmen."

Norbert Finsterer und Martha Krieger haben den wunden Punkt angesprochen.