Bei der Metallgesellschaft (MG) werden die personellen Weichen neu gestellt. Der derzeitige Aufsichtsratschef Ronaldo Schmitz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, will nach der nächsten Hauptversammlung im April nicht noch einmal für dieses Amt kandidieren. Nach dem in der Vergangenheit üblichen Turnus würde dieses Amt dann an die Dresdner Bank fallen, die mit ihrem Vorstandsmitglied Bernhard Walter dem Gremium bereits angehört. Wie Schmitz plädiert jedoch auch Walter dafür, daß sich die beiden Großbanken nach der Sanierung des Konzerns jetzt aus der ersten Linie zurückziehen.

Nun drängt die Zeit. Bis spätestens Februar muß der Schmitz-Nachfolger gefunden sein. Gefragt ist ein Industriemanager von Rang, der bereit ist, zusammen mit Konzernchef Kajo Neukirchen das nach der radikalen Abspeck-Kur noch immer kapitalschwache Unternehmen vor allem durch gezielte Akquisitionen in den Kerngebieten Chemie, Anlagenbau und Handel weiter nach vorn zu bringen. Dabei drängt sich aus dem Kreis der Ratsmitglieder kein Kandidat auf. So machen inzwischen auch neue Namen wie der des früheren Mercedes-Chefs Helmut Werner die Runde.

Auf wen die Wahl letztlich fällt, dürfte auch die Entscheidung Neukirchens beeinflussen, seinen Ende kommenden Jahres auslaufenden Vertrag noch einmal um fünf Jahre zu verlängern oder nicht. Vertraute wollen an ihrem Chef zunehmende Anzeichen von Frustration über den Fortgang seiner von den Banken eher gebremsten Akquisitionspolitik bemerkt haben. Nach dem Rücktritt der MG vom Kauf des Mischkonzerns Agiv in diesem Frühjahr droht nun auch die geplante Übernahme des Hamburger Bautechnikunternehmens Rud. Otto Meyer (Umsatz 1996: gut 1,1 Milliarden Mark) am Preis zu scheitern.

Risikoscheu und technikfeindlich, das sind jene beiden Eigenschaften, die den Deutschen gerne zugeschrieben werden. Wirtschaftsminister Günter Rexrodt wollte genauer wissen, wie es um den "Entwicklungsstand der Informationsgesellschaft" und um "die Wettbewerbsfähigkeit der informations- und kommunikationstechnischen Industrie am Standort Deutschland" steht. In ihrem Zwischenbericht an den Minister entwerfen die Forscher der Prognos AG ein höchst differenziertes Bild.

Sie untersuchten unter anderem die Ausgaben für neue Techniken in vier europäischen Ländern sowie Japan und den Vereinigten Staaten, aber auch die Verbreitung von PCs, die Zahl der Online-Anschlüsse, Telephongebühren oder wie lang die Bürger vorm Fernseher hocken.

Und siehe da: In der Regel haben zwar die Amerikaner die Nase vorn, gleichwohl aber belegen die Deutschen in dieser Analyse gleich nach den USA und Japan den dritten Platz - liegen also in Europa meistens vorn. Oft zeigt sich auch, daß manchmal nur unterschiedliche Prioritäten beim technischen Fortschritt gesetzt wurden.

So ist zum Beispiel die Verbreitung von digitalen Telephonanschlüssen hierzulande mit 74 Prozent im Vergleich zu den anderen Ländern am geringsten.