John Cowper Powys war schon sechsundfünfzig Jahre alt, als er 1929 mit dem Tagebuchschreiben begann. Er hatte einige Romane und allerhand Traktathaftes veröffentlicht, sein Einkommen aber bestritt er vor allem mit langen Vortragsreisen quer durch die USA. Schon lange lebte er von Frau und Sohn getrennt, die in England geblieben waren. Das Wesen, das er statt dessen an sich zu binden suchte (er nannte es das "Elementarwesen"), hieß Phyllis Playter. Sie war die einzige Tochter eines Anwalts, sie war gebildet und sehr gescheit, eine Frau, die die großen Städte mit ihren Abwechslungen liebte, und sie war zweiundzwanzig Jahre jünger als er.

Powys' Tagebuch ist das einzigartige Dokument seines Werbens. Er schreibt es als eine Art "Vorzeigetagebuch", schon mit dem Blick auf eine Veröffentlichung, jedoch ohne die dadurch leicht möglichen Verkrampfungen.

Der Gedanke an eine spätere Öffentlichkeit ist denn auch nicht sehr virulent, es ist lediglich ein Spielgedanke, der ihn davon abhält, es mit der Intimität zu weit zu treiben. Außerdem hält der Blick auf eine denkbare Öffentlichkeit Powys zu einer oft selbstironischen Heiterkeit an, die den täglichen Aufzeichnungen ganz ausgezeichnet bekommt. Als Leser ist man dankbar: Man liest nicht das klassische Schriftstellertagebuch vom ewigen Kampf um das Wort und von den Zumutungen des Alltags, sondern man erlebt das graziöse Ringen eines Don Quijote mit, der sein Schreiben als die todernste Geste seines komischen Heldentums begreift.

Im Grunde haben die Aufzeichnungen nur einen Sinn: die Angebetete, Verehrte, Geliebte, die Nymphenerscheinung Phyllis zu rühren, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und ihr oft von Selbstzweifeln gequältes Großstadtherz auf einen anderen Rhythmus einzustimmen. Es ist der Rhythmus des Landes, der einsamen Gegenden, der großen Ruhe, wo Powys seine Zuflucht vor allem Geschwätz sucht, um noch ein paar Romane zu schreiben.

Powys ist ein manischer, schneller Schreiber, kein Mann der langen Bedenken.

Was ihn zum Schreiben treibt, scheint ihm zuzuströmen, er liest es während seiner langen Spaziergänge in sich zusammen, es ist wie eine orchestrale Naturmusik, ausgestattet mit allen Instrumenten, imponierend vielstimmig, ein sehr altes Erzählen, das sich um die Erzählavantgarden nicht schert. Sein Lieblingsautor ist Homer, er liest ihn seiner Phyllis vor, überhaupt lesen die beiden viel auf ihrem Landsitz weit nördlich von New York, wohin Powys die Geliebte schließlich entführt hat.

Phyllis Playters Kommentare zu den Lektüren, ihre in Powys' Tagebuch überlieferten Einsichten zu einzelnen Autoren, zum Zeitgeist oder zum Stand der Dinge ganz allgemein, bilden die Gegenstimme zu Powys' Natursummen, Säuseln und Werben. Phyllis weiß nicht nur viel, sie weiß auch zu warten, so lange, bis ihr die richtigen, treffenden und meist immer scharfen Worte eingefallen sind. Es ist eine wahre Freude, ihr zuzuhören, ihrem Sarkasmus, ihrer aphoristischen Launenhaftigkeit, Powys selbst steht der Mund oft genug sperrangelweit auf, und er weiß, an seiner Seite lebt eine veritable Schriftstellerin (und geborene Kritikerin, ja, es gibt geborene Kritikerinnen), die ihn, den großen, älteren Mann, leicht schultern würde, ließe er ihr nur die Zeit dazu.