Im März des Jahres 1821 verbreitete sich mit Windeseile ein Gerücht unter der griechischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches. Ein junger Feldherr, Alexander Ypsilanti mit Namen, Adjutant des Zaren und sein Vertrauter, ziehe mit großer Heeresmacht von der Donau nach Süden. Nicht ruhen werde er, bis er und seine "Heilige Schar" ihr siegreiches Banner in Konstantinopel aufgerichtet hätten und die Stadt wieder das werde, was ihre Bestimmung sei: Sitz des einen christlichen Glaubens, Hauptstadt aller Griechen und ihres wiederhergestellten Reiches von Byzanz.

Die Griechen Konstantinopels zeigten freilich wenig Begeisterung. Die Hauptstadt der Osmanen war bereits die größte griechische Stadt. Von ihren 800 000 Einwohnern stellten die Christen ein Viertel. Hier residierte das geistliche Oberhaupt der orthodoxen Kirche, der Patriarch. Hier besaßen die reichen griechischen Kaufleute und Reeder Villen und Paläste. Hier lebten die berühmten griechischen Familien, aus deren Mitgliedern der Sultan Gouverneure, Außenminister und Generäle bestellte. Die Ypsilantis gehörten dazu, galten aber als notorische Unruhestifter, die in der Regel auf dem Schafott oder als Verbannte ihr Leben beendeten.

Auch in den anderen Teilen des Reiches, in denen Griechen siedelten oder Handel trieben, wollte keine rechte Aufstandsstimmung aufkommen. Eine Ausnahme bildete einzig die Peloponnes. Wirtschaftlich gesehen, war sie die rückständigste der von Griechen bewohnten Provinzen.

Das Paschalik der Morea, so die türkische Bezeichnung der Peloponnes, zählte etwa 400 000 Einwohner, davon rund 50 000 Muslime, die vorzugsweise in den Städten lebten. Deren größte, Tripoli, der Sitz des Statthalters, war stolz auf ihre 2500 steinernen Häuser, den Basar und die zahlreichen Moscheen.

Aufstände waren nicht vorgesehen. Kurschid Pascha, ein zum Islam übergetretener Grieche, verfügte kaum über Truppen. Die Osmanen beschränkten sich darauf, die fruchtbaren Talebenen zu kontrollieren, und überließen die Berge sowie die schwer zugängliche Halbinsel Mani den ansässigen Clans oder den Klephten, Banden ruinierter Bauern und Hirten, die sich als Räuber oder Söldner durchschlugen.

Der Aufstand brach in der letzten Märzwoche los mit dem Segen des örtlichen Metropoliten, des Bischofs von Patras. Gepeinigte Bauern schlossen sich an, und die stets beutegierigen Klephten hatten rasch eine 5000 Mann starke irreguläre Armee beisammen. Mangels türkischer Truppen hielt man sich an die Zivilisten und erschlug deren 15 000 in den ersten Wochen. Schließlich fanden die Aufständischen in Theodoros Kolokotronis, der im britischen Heer eine solide militärische Ausbildung erhalten hatte, einen befähigten Führer. Nach dem Fall von Tripoli, der die etwa 10 000 muslimischen Einwohner das Leben kostete, hielten die Türken nur noch Patras, dessen Griechen sie zur Vergeltung massakrierten. Sultan Mahmut II., den die türkische Geschichtsschreibung "den Gerechten" nennt, begriff die Welt nicht mehr.

Warum verrieten ihn ausgerechnet die Griechen?