In Wirklichkeit haben sie gerade Schulden gemacht. Bei dem Betrag handelt es sich um ein Darlehen, mit dem die CB Credit-Bank die zu erwartende Steuererstattung vorfinanziert. Als Sicherheit läßt sie sich die Ansprüche der Mehics gegenüber dem Fiskus abtreten. Der Kredit wird getilgt, indem das Finanzamt die zu zahlende Summe direkt an die Bank überweist.

Die Freude über die schnelle Mark sollte den Mehics bald vergehen. Die CB Credit-Bank läßt sich ihre Dienste derart fürstlich honorieren, daß sich der Vergleich mit modernem Raubrittertum aufdrängt. Zwar liegt der Darlehenszins von jährlich 13 Prozent noch im marktüblichen Rahmen. Doch zusätzlich verlangen die Bayern eine Bearbeitungsgebühr von 4,5 Prozent, eine Sondergebühr von 5 Prozent, eine Kostenpauschale von 2 Prozent plus sechs Mark Portoauslagen. Was dies bedeutet, steht auf der Rückseite des Vertrags im Kleingedruckten: "Bei kürzeren Laufzeiten als der vertraglich vereinbarten (ein Jahr, Anmerkung der Redaktion) kann sich eine extrem hohe Effektivverzinsung ergeben." In der Tat: Zahlt das Finanzamt bereits nach drei Monaten, beträgt der effektive Jahreszins sage und schreibe 80,24 Prozent. Und selbst bei einer Laufzeit von zwölf Monaten ergibt sich ein Effektivzins, der mit 25,74 Prozent weit über den Sätzen liegt, die Banken ansonsten verlangen.

Im August werden die Mehics von der Bank aufgefordert, binnen 14 Tagen den Betrag von 1121,06 Mark zu zahlen. Das Finanzamt hat die Kinderfreibeträge nicht anerkannt und statt der errechneten 2740,95 nur 1454,95 Mark überwiesen. Darauf kündigt die CB Credit-Bank das Darlehen sofort und stellt die Restschuld fällig. Die Lohnsteuerhilfe spricht zwar von einem Versehen des Fiskus, das mit dem Status der Bosnier als rechtlich "Geduldete" zusammenhängt, und legt Einspruch gegen den Steuerbescheid ein. Aber das kann die Mehics kaum trösten: Sie fühlen sich über den Tisch gezogen.

Leider ist dies kein Einzelfall. Immer wieder lockt die Aussicht auf die "schnelle Mark" Steuerzahler zu Geldhäusern, die aus der Not ihrer Kunden kräftig Kapital schlagen. Dabei spielen Lohnsteuerhilfevereine offenbar bisweilen eine unrühmliche Rolle als Zuträger. Wie Stefanie Laag von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen berichtet, ging im Siegerland "ein halbes Dorf" derartigen Finanzierungspraktiken auf den Leim. Aus Scham oder Angst verzichteten die Betroffenen darauf, sich mit juristischen Mitteln zu wehren. Dies ist ohnehin nicht einfach. Und dabei kommt nun die Bundesbank ins Spiel.

Normalerweise wäre ein Zins von annähernd 26 Prozent jährlich, wie ihn die CB Credit-Bank verlangt, glatter Wucher und damit sittenwidrig. Nach höchstrichterlichen Urteilen darf ein Geldhaus nicht mehr als das Doppelte des marktüblichen Durchschnittssatzes verlangen, den die Frankfurter Währungsbehörden regelmäßig veröffentlicht. Dies gilt allerdings nur für Ratenkredite. Die CB Credit-Bank rechtfertigt ihre horrenden Zinsen mit dem Hinweis, daß sie laut Bundesbank auf einem Sondermarkt tätig sei. Zur Bestätigung legt Geschäftsführer Wurm ein Schreiben vor, den die Landeszentralbank (LZB) in Bayern als regionale Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank am 20. Januar 1989 an das Amtsgericht Landau an der Isar schickte.

Darin heißt es, daß das "Lohnsteuervorfinanzierungsgeschäft mit dem Ratenkreditgeschäft nicht vergleichbar" sei, die von der Bundesbank ermittelten Zinssätze für Ratenkredite deshalb "nicht für Vergleichszwecke herangezogen" werden können.

Während die Bundesbank darin keine Genehmigung für hohe Zinsen sieht, interpretiert die CB Credit-Bank dies offenbar als Freibrief für eine ungehinderte Bereicherung. Dabei kann sie sich auf Gerichtsurteile stützen, die in ihrem Sinne ausgingen. So stellte das Amtsgericht Mülheim fest, daß die für die Sittenwidrigkeit von Ratenkreditverträgen entwickelten Grundsätze auf Lohnsteuererstattungsgeschäfte nicht angewendet werden können.