So geht es also auch. Vorausgesetzt, man kommt mit Rudolf Houdek. Als die Flutlichtmasten des Münchner Olympiastadions ins Bild rücken, beugt er sich herüber und fingert aus dem Handschuhfach seiner Limousine den kardinalroten Passierschein. Auf der Straße, die zur VIP-Zone führt, schießen die Schlagbäume nach oben. Salutierend heben Wachmänner Absperrgitter aus dem Wege: "Ah, der Herr Houdek!" Dann rollt der Wagen an den Tribünentreppen aus. Nur ein paar Schritte sind es von da bis zur Lounge, aber Rudolf Houdek sagt: "Wir warten noch."

Im Autoradio beginnen die Nachrichten. An anderen Tagen im Jahr weiß Gott kein Grund zum Innehalten, "Positives wird ja gar nicht mehr gemeldet", wie Houdek findet. Doch manchmal lohnt sich das Hinhören, wie in diesem Augenblick: "Franz Beckenbauer will erneut als Präsident des FC Bayern München kandidieren!" Da ist die Meldung heraus, in Houdeks Wagen herrscht glückliches Schweigen.

Die historische Entscheidung sei am Abend zuvor im Verwaltungsbeirat gefallen. Dort hatte Rudolf Houdek mit Edmund Stoiber, Helmut Markwort, Unternehmensberater Roland Berger und den andern zusammengesessen. War es schwer, den Kaiser noch einmal für vier Jahre zu verpflichten? Ergriff der Ministerpräsident beschwörend das Wort? Oder ist es wieder einmal Houdek zu verdanken, der wie ein Architekt - "Ach wissen Sie", unterbricht er, "Franz ist doch wie ein Sohn für mich, so wie der Fritz und der Uwe."

Rudolf ("Rudi") Houdek, 84 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder. Bei den Bayern Träger der Mitgliedsnummer 39, Mäzen. Ein Mann, der sich seit fünfzig Jahren im Hintergrund hält. Vereinsuntypisch: keine Interviews, keine großen Reden. Ein Anonymus. Selbst die Frontreporter der "ran"-Fußball-Show blicken nicht recht durch. "Kopf der einflußreichen Kitzbühel-Connection" nennen sie ihn, was Houdek mit einem milden Lächeln quittiert.

Gemessenen Schrittes hat er seine geräumige Loge auf der Tribüne erreicht. Zehn Sitzplätze, "für meine Freunde". Das Spiel hat begonnen; weil aber unten auf dem Rasen Bayern-Stürmer Elber beharrlich das Tor verfehlt, läßt Houdek den Blick lieber schweifen. Gut 60 000 Menschen unter Münchens Abendhimmel, "sagen Sie selbst, ist die Atmosphäre nicht einzigartig?". Dann kommt er auf Kitzbühel zurück.

Darauf angelegt habe er es nicht, daß um ihn herum oft diese Mehrheiten entstanden. Houdek erklärt es sich damit, daß "der Franz" in Kitzbühel wohne und er selbst auch ein Haus dort habe. "Es ist groß, kommen Sie doch mal vorbei." Natürlich sitze man zusammen im Herrgottswinkel und bedenke, was im Interesse des FC Bayern zu tun sei. "Ist doch nicht verwunderlich."

Handlungsbedarf habe es immer gegeben. Damals, "in den Fuffzgern", als der Verein seine Barschaften noch in Schuhkartons verwahrte, "da habe ich eben die Finanzen in Ordnung gebracht". Aber weil Houdek einmal dabei ist, gesteht er raunend "eine gewisse Einflußnahme" bei der Wahl der Präsidenten. "Champagner-Willi" Hoffmann seinerzeit verhindert, dafür lieber Fritz Scherer, einen ordentlichen Professor der Betriebswirtschaft, auf den Stuhl gesetzt.