Referenzen im Übermaß - ein großer Teil aktueller Popmusik gibt sich retrospektiv. Oberflächlichkeit ist dabei mal gewollt, mal verpönt. Zwischen der Frage nach dem Sinn des Ewiggleichen und der Lust an dem Spiel mit Wiederholungen finden nur wenige Bands einen überzeugenden Umgang mit der Secondhand-Ästhetik.

Der Titel der neuesten CD von Stereolab suggeriert zunächst die Leichtigkeit und den modischen Chic eines Cocktailkleids: "Dots And Loops", Pünktchen und Schleifen. Auch diesmal, auf dem vierten Album des englisch-französischen Duos, quillt die Musik über von Stilen, Zitaten und Details. Sie schwelgt in französischem Pop, britischem Songwriting, im Glamour des Easy Listening, in orchestralen Arrangements wie in elektronischem Noise - an Harmoniefülle übertrifft sie noch den Vorgänger "Emperor Tomato Ketchup".

Doch nie zuvor wurde solcher Überfluß mit so viel Understatement dargeboten.

Soulige Bläsersätze und Streicher - ganz ohne große Geste, die verschiedenen Keyboards aus dem großen Instrumentenpark werden nicht ins Bombastische getrieben. Der potentielle Reichtum reduziert sich auf viele kleine Andeutungen, so schnell und präzise plaziert, daß die rückwärtsgewandte Bewegung keine Zeit findet, sich festzusetzen, zu erstarren.

Einzelne Stimmen der Farfisa-Orgel schieben sich latent in den Vordergrund, geben vor, die Bedeutung eines Solos zu haben, obwohl sie das ganze Stück über schon demselben Motiv gefolgt sind. Wie die Fäden eines feinen Gewebes wechseln sich die Parts ab, mal ist der rote Faden vorn, mal der blaue, mal der grüne.

Im Stück "Brakhage" gleich zu Beginn der CD ist der Anfangsfaden ein elektronisches Störgeräusch. Alsbald verschwindet er in der Gesamtstruktur.

Zum Vorschein kommt statt seiner ein poppiger Ohrwurm, nach vorn geschoben von lautem, trockenem Schlagzeug und fetten Baßläufen.