Paris regt sich. Die traditionellen Modehäuser schalten um, sie wollen endlich Umsätze machen. Mode soll nicht mehr verzaubern, sondern tragbar sein. Paris schielt nach New York, zu Calvin Klein, dem Urvater erlesener Schlichtheit. Auf 2,5 Milliarden Dollar kletterte sein Umsatz dieses Jahr.

Grund genug, Boutiquen in Europa zu eröffnen. Die erste befindet sich seit diesem Sommer in der Pariser Luxusmeile, in der Avenue Montaigne, neben Prada und den Pariser Nobelmarken.

Der "Calvinismus" grassiert und läßt die Köpfe der Designer rollen. Bei Guy Laroche führt, nach einem mißglückten Intermezzo von Angelo Tarlazzi und Michel Klein, nun der 35jährige New Yorker Alber Elbaz künstlerische Regie, schon in zweiter Saison. Er soll das Haus vorm schleichenden Tod retten.

Laroche, das dem Kugelschreiberkönig Bic gehört, sackte jährlich um Millionen Franc ab. Elbaz' Frischzellenrezept lautet: "Amerikanisches Marketing und französischer Esprit." Und seine junge, unkomplizierte Mode kommt an.

"Europäischen Chic, amerikanischen Komfort und asiatische Zen-Tiefe" bläst der 31jährige Designersproß Andrew GN aus Singapur dem Hause Pierre Balmain ein. Im Frühjahr 98 soll es losgehen. "Das schwierigste ist, wirklich raffiniert simple Kleider zu machen", offenbart der Absolvent der berühmten St. Martin's School in London.

Bei Jacques Fath verspricht die 27jährige in New York lebende Russin Elena Nazaroff innovativen Glamour, beim Umsatzriesen Louis Vuitton (neun Millionen Franc Umsatz) wurde der New Yorker Youngster Marc Jacobs engagiert, neben John Galliano bei Dior und Alexander McQueen bei Givenchy schon das dritte Fohlen im Stall der weltgrößten Luxusgruppe LVMH. Das Event der Saison während der Pariser Prêt-à-porter-Schauen in der vergangenen Woche war jedoch der spektakuläre Designerwechsel bei Chloé, dem Modeunternehmen, das 1952 nach dem Vornamen einer anmutigen Dame der Pariser Aristokratie (Chloé de Bruneton) benannt wurde. Die 26jährige Stella McCartney, leibhaftige Tochter von Beatle Paul McCartney, entthronte König Karl Lagerfeld.

Die Sterne stehen günstig für Stella in der von Männern besetzten Modewelt.