Im Sommer veröffentlichte das National Committee of Inquiry into Higher Education einen umfassenden Bericht zur Lage der britischen Hochschulen. Das Konvolut sucht nach Wegen aus der sich verschärfenden Finanz- und Strukturkrise der Universitäten. Verfaßt wurde der Bericht von einer unabhängigen Kommission, die im Februar 1996 in seltener Einstimmigkeit zwischen der damaligen konservativen Regierung und der Labour-Opposition ins Leben gerufen worden war. Geleitet wurde sie von Sir Ronald Dearing, einem erfahrenen Bildungsexperten und ehemaligen Chancellor der Universität Nottingham. Seither trägt der heftig diskutierte Bericht - er umfaßt stattliche zehn Bände mit fast 2000 Seiten - den Namen "Dearing Modell". Fünf Aspekte fallen besonders ins Auge: Erstens die Einführung von Studiengebühren und der Ersatz von Stipendien zur Deckung der Lebenshaltungskosten durch Darlehen.

Zweitens eine weitere Erhöhung eines Jahrgangs der Studentenquote von jetzt 32 auf 35 Prozent.

Drittens die Flexibilisierung des Hochschulzugangs.

Viertens die Forderung nach einer engeren Beziehung von Hochschule und Wirtschaft, sowohl auf dem Wege einer direkten Zusammenarbeit als auch durch neue Konzepte für das lebenslange Lernen.

Fünftens schließlich die Förderung der Forschung.

Naturgemäß bewegt das Ende der kostenlosen Hochschulbildung die Gemüter am meisten. Von einer "Revolte angesichts der Gebühren" sprach vergangenen Freitag etwa der Guardian auf Seite eins.

Auch Labour-Bildungsminister David Blunkett hat damit seine Probleme, war es doch eine Labour-Regierung, die in den sechziger Jahren die Abschaffung der Studiengebühren durchgesetzt hatte. Größte Anstrengungen des Ministers und seines Premierministers Tony Blair waren nötig, um für diesen Beschluß auf dem jüngsten Labour-Parteitag die Basis zu gewinnen.