Die Stimmung war gut auf dem Koszaliner Tag in Berlin. Geduldig lauschten die Gäste den Rednern. Die lobten - programmgemäß - die schönen Fortschritte der polnischen Stadt auf dem Weg in die Marktwirtschaft.

Doch als Eckhard Helmstedt, Geschäftsführer der Maschinenbaufirma TU-Pol Tuchenhagen, zum Schluß das Wort ergriff, war es mit der fröhlichen Feststimmung erst einmal vorbei. Statt das Bild eines glücklichen Unternehmens in einem modernen Reformland zu zeichnen, bot der Investor den versammelten deutschen und polnischen Honoratioren eine ganz andere Sicht seiner alltäglichen Wirklichkeit. "Ich habe die Leute aufgeschreckt", beschreibt Helmstedt die Wirkung.

Von Standortvorteilen, die weitere Investoren anlocken könnten, war in seinem Vortrag nämlich keine Rede. Statt dessen listete der Deutsche seitenweise gravierende Probleme auf. Langfristige Unternehmensentscheidungen, klagte der Maschinenbauer, seien aufgrund unkalkulierbarer Gebühren- und Preiserhöhungen praktisch nicht möglich. So seien im vergangenen Jahr die Preise für Elektrizität und Grundsteuern um je zwanzig Prozent gestiegen, die Immobiliensteuer um siebzehn Prozent, die Pachten sogar um sechzig Prozent angehoben werden. Und trotz einer Arbeitslosenquote von rund 25 Prozent findet Helmstedt inzwischen praktisch keine Facharbeiter mehr, obwohl er rund sechzig Prozent höhere Löhne als ortsüblich zahlt.

Was den Deutschen aber besonders ärgert, ist die Bürokratie vor Ort. Allein zwei Mitarbeiter seien ständig nur mit den Zollbehörden beschäftigt. "Die sitzen da auf einem Stuhl herum und müssen warten, ob die Papiere in Ordnung sind oder es noch Fragen gibt." Derweil stapeln sich die Teile, die zur Produktion dringend benötigt werden, in den Abfertigungshallen. Helmstedt: "Der Zoll blockiert uns hier die Arbeit."

Auch wenn andere Unternehmer nur selten so offen darüber reden: Mit seinen Erfahrungen steht der norddeutsche Maschinenbauer keineswegs allein.

Angelockt von den im Vergleich zu Deutschland extrem niedrigen Lohnkosten, strömten seit Anfang der neunziger Jahre neben den Konzernen auch ganze Scharen klein- und mittelständischer Unternehmen gen Osten. Zwischen 1992 und 1996 erhöhten sich die deutschen Investitionen in den vier Reformländern Polen, Ungarn, Slowenien und Tschechien von 1,6 auf 3,9 Milliarden Mark.

"Damals wurde doch jeder gefragt: ,Was, Sie sind noch nicht drüben?'"