Aus seiner früheren Managementtätigkeit weiß der Weru-Chef allerdings, daß es durchaus erfolgreiche Engagements deutscher Unternehmen in Osteuropa gibt. Er warnt deshalb entschieden davor, alles über einen Kamm zu scheren. Eines aber ist für ihn ganz klar: "In der Anfangseuphorie haben viele die anderen Kostenfaktoren außer den Lohnkosten nicht ausreichend berücksichtigt."

Das sieht Joachim Frey, Geschäftsführer einer tschechischen und einer slowakischen Tochtergesellschaft des TÜV Süddeutschland, genauso. Zwar habe seine eigene Firma von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben. Bei vielen Investitionsentscheidungen aber werde unter anderem völlig "unterschätzt, wie teuer allein die Schulung der Leute vor Ort ist".

Teuer komme zudem die Bürokratie zu stehen. So müssen beispielsweise deutsche Anlagen und Maschinen den tschechischen Normen entsprechen. Das Prüfverfahren kostet zum einen Geld, zum anderen aber, sagt Frey, gebe es keine Gewähr, daß die Prüfung tatsächlich positiv ausfällt - selbst dann, wenn alle europäischen Normen erfüllt sind. So warte der Chef der VW Kraftwerks GmbH bereits seit einem halben Jahr vergeblich auf grünes Licht für die Inbetriebnahme seines Werkes. "Das scheitert am Formalismus", sagt der TÜV-Mann. Angeregt von solchen Pannen, hat er eine Marktlücke entdeckt: Sein Unternehmen bietet neuerdings einen Genehmigungsservice für Ortsunkundige an.

"Wer nur der niedrigen Lohnkosten wegen hergekommen ist, hat von Anfang an einen Fehler gemacht", ist der Geschäftsführer der Deutsch-Polnischen Handelskammer, Dieter Hardieck, überzeugt. Doch die Illusion, daß niedrige Löhne automatisch auch eine kostengünstige Produktion bedeuten, hält sich bei deutschen Unternehmen offenbar hartnäckig. Sie lockt nach wie vor, das hat eine repräsentative Studie der Universtität Mannheim zur "Produktionsverlagerung von Unternehmen des Maschinen- und Anlagebaus" jüngst ergeben, vor allem ein Motiv ins Ausland: niedrigere Personalkosten als in Deutschland.