Wenn es nach der politischen Fürsprache geht, muß der Kleinwagen Smart einfach ein Renner werden. Immerhin haben sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident Jacques Chirac zur feierlichen Eröffnung der neuen Autofabrik im lothringischen Hambach am 27. Oktober angesagt, um dem Gemeinschaftswerk von Mercedes und dem Schweizer Uhrenfabrikanten Nicholas Hayek ihren Segen zu geben.

Christian Strenger hat für das Projekt dagegen nur Hohn und Spott übrig: Da das Miniauto voraussichtlich jahrelang Verluste produziere, solle die "Isetta aus Stuttgart" schnellstmöglich in ein Museum überführt werden, forderte er vor einigen Monaten auf der Hauptversammlung von Daimler-Benz.

Die Attacke ist deshalb pikant, weil es sich bei Strenger nicht um einen der üblichen Kritiker aus dem Kreis mäkelnder Aktionäre handelt. Der Mann leitet vielmehr die DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen. Diese mit einem Fondsvolumen von mehr als 110 Milliarden Mark bedeutendste europäische Investmentgesellschaft gehört zur Deutschen Bank, die wiederum knapp ein Viertel des Kapitals von Daimler-Benz hält und dort als größter Aktionär die von Strenger kritisierte Fahrtrichtung wesentlich mitbestimmt.

Strengers Verdikt gegen den Stuttgarter Autoriesen deutet, ähnlich wie der spektakuläre Angriff des Stahlherstellers Krupp gegen seinen Konkurrenten Thyssen, auf eine Trendwende im bundesrepublikanischen Wirtschaftsstil hin.

Das aus gegenseitigen kapitalmäßigen und personellen Verbindungen bestehende Geflecht zwischen Unternehmen, Banken und Versicherungen steht vor einer Zerreißprobe. Die Deutschland AG, wie dieses Netzwerk auch genannt wird, gerät unter zunehmenden Druck großer institutioneller Anleger, die nur eines im Sinn haben: das Kapital, das sie im Auftrag ihrer Kunden betreuen, zu mehren.

Um dieses Ziel zu erreichen, verlangen die Vermögensverwalter nicht nur die Wertsteigerung ihrer Aktienbestände, also mehr Shareholder value. Sie mischen sich auch verstärkt in die Geschäftspolitik und die Strukturen der Unternehmen ein, an denen sie beteiligt sind. Kurz: Sie schicken sich an, die Kontrolle über die Unternehmen an sich zu reißen. Mit diesem Regimewechsel droht der "rheinische Kapitalismus", wie der französische Manager Michel Albert einmal das hiesige, weitgehend auf dem Konsens zwischen den verschiedenen Interessengruppen beruhende System nannte, von seinem konfliktträchtigeren anglo-amerikanischen Pendant verdrängt zu werden.

An den internationalen Finanzmärkten sind die institutionellen Anleger längst eine vielbeachtete Macht. Zwar liegt auch in Amerika die Mehrheit aller Aktien noch direkt in privaten Händen, doch die professionellen Vermögensverwalter haben in den vergangenen Jahren mächtig aufgeholt. Besaßen sie 1960 nur etwa zwölf Prozent aller Dividendenwerte, so gehört ihnen mittlerweile schon fast jeder zweite Anteilschein. Fast 3000 Fonds betreuen mittlerweile die gigantische Summe von mehr als 2000 Milliarden Dollar. Vor zehn Jahren wurden erst 800 Fonds mit einem Vermögen von 240 Milliarden Dollar gezählt.