ZEIT: Im Jahr 2002 nur noch 150 000 Soldaten - geht das mit der SPD, Herr Verheugen?

VERHEUGEN: Vollkommen ausgeschlossen. Ich hoffe zwar auch, daß die Bundeswehr in vier, fünf Jahren deutlich kleiner sein wird als heute aber 150 000 ist eine Zahl, die in vier Jahren nicht erreicht werden kann. Wir haben eine Bündnisarmee mit Bündnispflichten, und damit ist der deutsche Streitkräfteumfang keine Frage, die allein in Deutschland entschieden werden kann.

VOLMER: Ich sehe das anders: Wir brauchen in der Bundesrepublik weder eine territoriale Verteidigungsarmee noch Krisenreaktionskräfte. Was wir brauchen, ist die Umstrukturierung eines Restes der Bundeswehr zu friedenserhaltenden Kräften, zu Konfliktregulierern, die wir tendenziell der Uno anbieten möchten. Die Bundesrepublik wird doch in absehbarer Zeit von keiner Seite mehr bedroht werden! Unsere ehemaligen Feinde - die Sowjets, jetzt die Russen - wollen und können uns nicht angreifen!

VERHEUGEN: Aber Herr Volmer, daß es derzeit keine militärische Bedrohung gibt, hängt doch auch mit der Verteidigungsbereitschaft der Nato zusammen.

Die bloße Existenz eines starken und handlungsfähigen Bündnisses hält andere davon ab, ihr Heil in militärischen Abenteuern zu suchen. Und da wir ja wissen, daß die Nato kein Aggressionsinstrument ist, sondern stabilisierend wirkt, kann ich nicht sagen, wir können auf die Fähigkeiten zur Landesverteidigung als Risikovorsorge verzichten.

ZEIT: Das klingt jetzt aber nicht sehr einig.

VERHEUGEN: Doch. Die langfristige Zielsetzung der Grünen begrüße ich. Den militärischen Auftrag der Zukunft kann man am ehesten als den einer internationalen Polizei betrachten. Im übrigen steht auch im Grundsatzprogramm der SPD: Das langfristige Ziel von Friedenspolitik ist die Abschaffung aller Streitkräfte - allerdings nicht nur in Deutschland.