ZEIT: Also Einigkeit in den Visionen, aber Dissens in der praktischen Regierungspolitik?

VERHEUGEN: Es kann jedenfalls nicht angehen, daß wir auf Landesverteidigung verzichten und die Krisenreaktionskräfte zu leichtbewaffneten Blauhelmeinheiten umbauen. Das Beispiel Exjugoslawien zeigt doch, daß es notwendig ist, eine miltärische Präsenz aufbauen zu können, die Konfliktparteien von Gewaltanwendung abhält.

VOLMER: Aber Herr Verheugen, wir brauchen doch keine weltweit tätige Interventionsarmee, die uns den Zugang zu Rohstoffen und Märkten öffnet! Was uns fehlt, ist Konfliktprävention. Der Bosnienkrieg wäre doch nie entstanden, wenn wir eine effektive Prävention gehabt hätten!

VERHEUGEN: Diese sicherheitspolitische Analyse grenzt nun wirklich an politische Naivität. Wir haben in Europa nach wie vor ein sehr hohes Rüstungsniveau, insbesondere wenn Sie an die Nuklearkapazität Rußlands denken. Und zumindest unsere Partner meinen alle, daß sie einen effektiven Schutz brauchen.

ZEIT: Herr Volmer, falls die Grünen 1998 an die Regierung kommen, werden immer noch deutsche Soldaten in Bosnien stationiert sein. Wollen Sie die dann zurückholen?

VOLMER: Letztlich gilt für uns: pacta sunt servanda. Wir können nicht mit einem deutschen Kraftakt internationale Verträge revidieren. Wir werden aber unsere Stimme in internationalen Verhandlungen erheben.

ZEIT: Die deutschen Soldaten dürften also weiterhin in Bosnien bleiben?