VOLMER: ... aber keine ersatzlose Auflösung! Wir wollen die jetzigen militärischen Bündnisse überführen in eine europäische Sicherheitsordnung.

Mir kann keiner erzählen, daß die Nato ein ewiges Leben hat, das wäre ja eine quasi religiöse Vorstellung. Glauben Sie, daß Europa in 300 Jahren noch mit der Nato lebt? Wenn aber jetzt schon klar ist, daß sie sich transformieren wird, dann darf es doch wohl eine politische Kraft geben, die sich Gedanken über das "Wie" macht.

ZEIT: Würden Sie - in einem Jahr - einen SPD-Bundeskanzler wählen, der in seiner Regierungserklärung ein klares Bekenntnis zur Nato von heute ablegt?

VOLMER: Wir machen die Wahl eines Bundeskanzlers nicht von einem einzigen Kriterium abhängig.

ZEIT: Würden grüne Minister einer Nato-Osterweiterung zustimmen?

VOLMER: Unsere Nachbarn haben ein legitimes Interesse an einer Mitgliedschaft. Aber mit welchen Argumenten nehmen wir Polen, Ungarn und Tschechien auf, während wir andere Staaten fernhalten? Weil die Nato-Osterweiterung nicht bis Rußland gehen wird, obwohl das wünschenswert wäre, sagen wir Grünen: Das ist eine Sackgasse. Das Hauptproblem ist doch, daß sich die Nato auf Kosten anderer, zukunftsfähiger Organisationen, der OSZE oder der Uno, immer breiter macht.

VERHEUGEN: Das ist nicht richtig. Die Nato-Osterweiterung ist ein Öffnungsprozeß für alle Reformstaaten, die in die Nato wollen, und denen gegenüber wir eine Verpflichtung haben. Gerade die Befürworter einer gesamteuropäischen Friedensordnung müßten in der Nato-Erweiterung einen Fortschritt sehen, weil Rußland noch nie so eng eingebunden wurde wie durch die Nato-Rußland-Akte.