Er suchte stets die Rolle des Außenseiters und verstand es wie kein Arzt vor ihm, die Medien für seine Interessen zu mobilisieren. Das hat Julius Hackethal zum bekanntesten Chirurgen Deutschlands gemacht und ihm den Zulauf der Patienten gesichert. Seine harsche und in Ansätzen berechtigte Kritik an der deutschen Chirurgie war Grundstein seiner Popularität. Im Herbst 1963 bezichtigte der damals junge Professor an der Universitätsklinik Erlangen seinen Chef, den renommierten Thoraxchirurgen Gerd Hegemann, in spektakulärer Weise vielfacher Kunstfehler.

Nach Haus- und Vorlesungsverbot verließ der streitbare Hackethal Erlangen und wurde Chefarzt am Städtischen Krankenhaus in Lauenburg an der Elbe. Später leitete er verschiedene Sanatorien und Rehabilitationskliniken. Mit dem Bestseller "Auf Messers Schneide" veröffentlichte der Chirurg, der über zehn Bücher schrieb, 1976 eine wütende Abrechnung mit seinen Kollegen.

In unzähligen Fernsehauftritten und Zeitungsinterviews traf Hackethal immer wieder den Nerv des Volkes. "Vorsicht, Arzt", schrieb er auf sein Praxisschild. "Laufen Sie, so schnell Sie können, wenn Sie einen Urologen sehen", brandmarkte er die seiner Ansicht nach sinnlose Radikaloperation beim Prostatakarzinom.

Der "Krebsarzt", wie er sich mittlerweile von der Boulevardpresse nennen ließ, erfand den medienwirksamen Begriff vom "Haustierkrebs", der erst durch die chirurgische Intervention zum "Raubtierkrebs" werde. Doch spätestens als Hackethal 1986 tönte, er könne in seiner Eubios-Klinik im Chiemgau neunzig Prozent aller Krebserkrankungen erfolgreich behandeln, zeigte sich, wie verantwortungslos der Arzt mittlerweile mit den Hoffnungen seiner todkranken Patienten spielte.

Erst spät distanzierte Hackethal sich von seinen Versprechungen - in der ihm eigenen Weise: "Ich habe keinem einzigen Patienten geschadet, nur mir." Den nächsten Kriegsschauplatz eröffnete er, als er im April 1984 einer unheilbar Kranken Zyankali auf den Nachttisch stellte und damit eine Debatte über die Sterbehilfe entfachte.

Trotz zahlreicher Prozesse wurde Hackethal die ärztliche Zulassung nie entzogen, und bis zum Schluß leitete er eine Klinik. Der selbsternannte "Patientenarzt aus Menschenliebe" starb vergangenen Freitag im Alter von 75 Jahren in Bernau am Chiemsee an Lungenkrebs.