DIE ZEIT: Herr Premierminister, die Brüsseler Kommission prophezeit, fast alle EU-Staaten würden sich für die Währungsunion qualifizieren. Bedeutet das Entwarnung: der Euro kommt pünktlich, die europäische Krise findet nicht statt?

JEAN-CLAUDE JUNCKER: Europa hätte auch keine Krise erlebt, wenn sich weniger Staaten für den Euro qualifiziert hätten. Ich war immer überzeugt, daß die Währungsunion 1999 beginnt - egal wie viele Länder die Kriterien von Maastricht erfüllen. Auch wenn wir die Entscheidung erst im nächsten Frühjahr auf der Basis der tatsächlichen Zahlen treffen: Große Abweichungen von der jetzigen Prognose wird es kaum mehr geben. Damit haben wir nun vierzehn potentielle Teilnehmer.

ZEIT: Auch Frankreich wird, trotz des absehbaren Defizits von 3,1 Prozent in diesem Jahr, auf jeden Fall dabeisein?

JUNCKER: Ja, und man muß auch beachten, daß Frankreichs Defizit 1998 weiter sinkt. Ich erwarte sogar, daß der endgültige Wert für 1997 schon unter 3,1 Prozent liegen wird. Der Vertrag von Maastricht verlangt einen dauerhaften Stabilitätskurs - und das ist wichtiger als 3,0 oder 3,1 Prozent.

ZEIT: Haben sich die deutsche Debatte um eine Verschiebung des Euro und der Streit, ob nun 3 oder 3,0 Prozent gelten, damit erledigt?

JUNCKER: Diese Frage stellt sich wirklich nicht mehr. Wir sehen doch, daß Deutschland bei 3,0 landen wird. Die Verschiebungsdebatte war sowieso wenig hilfreich. Denn das schürte die Gefahr, daß einige Länder sich gemütlich in den Sessel zurücklehnen und in ihren Bemühungen um eine Sanierung der Staatsfinanzen nachlassen würden. Jetzt muß diese Debatte ein Ende haben.

ZEIT: Hat die Euro-Diskussion die Deutschen aus Ihrer Sicht zu Europaskeptikern gemacht?