Dabei geht es mir um viel mehr als nur um die Vergangenheit: Ohne ein Fundament des Friedens wird Europa auch seine Zukunft nicht gestalten können.

Ich verfechte leidenschaftlich, was wir so gern "Europäisches Sozialmodell" nennen - aber was nützt das ganze Gerede, wenn wieder zu den Waffen gegriffen wird?

ZEIT: Insofern ist der Euro für Sie auch eine Frage von Krieg und Frieden?

JUNCKER: Ja, die Währungsunion ist Friedenspolitik mit anderen Mitteln. Nur wird, wer allein mit Krieg und Frieden argumentiert, den Menschen den Euro nicht näherbingen. Die Währungsunion stärkt Europa vor allem wirtschaftlich.

Und durch den dauerhaften Konvergenzstreß wird es zu einer Feinabstimmung der Wirtschaftspolitik kommen, so daß wir auch der Politischen Union näherrücken.

Im neuen EU-Vertrag ist das zwar noch nicht zufriedenstellend vereinbart.

Aber wichtiger als ein perfekter Vertrag war es für Europa immer, daß die politisch Verantwortlichen das gleiche wollen. Ich halte gar nicht soviel von einer ständigen Revision der Verträge - ich will eine Revision der Politik.