JUNCKER: Ich bin gegen derartig generelle Versprechen. Statt dessen müssen wir uns für einige Instrumente gemeinsamen Handelns klare, quantifizierbare Ziele setzen. Zum Beispiel können wir uns verpflichten, jedem Arbeitslosen innerhalb von zwölf Monaten eine Stelle zuzuweisen - entweder einen regulären Job oder eben eine staatlich geförderte Beschäftigung. Und für junge Arbeitslose sollten wir das binnen sechs Monaten schaffen.

ZEIT: Wie wollen Sie diese Versprechen angesichts von achtzehn Millionen Arbeitslosen in Europa einlösen, wenn das - wie Sie versichern - alles keinen Pfennig zusätzlicher Staatsausgaben kosten soll?

JUNCKER: Das ist eine typisch deutsche, aber eine berechtigte Frage. Meine Antwort lautet: Wir zahlen doch ohnehin! Bisher gibt es Arbeitslosengeld jedoch überwiegend fürs Nichtstun. Wenn wir künftig diese Hilfe an die Auflage koppeln, eine Tätigkeit anzunehmen, dann kostet das nicht mehr Geld.

Es gibt genug zu tun in all unseren Ländern, die Arbeit liegt doch auf der Straße. Nur zahlen wir bisher für Nicht-Arbeit statt für Arbeit. Das muß sich ändern.

ZEIT: Europas Antwort auf die Arbeitslosigkeit hieße dann: Zwang zur Arbeit.

Wer sich weigert, dem wird das Geld gekürzt oder ganz gestrichen?

JUNCKER: Ja.