Die Zuschauerin

Eigentlich wollte Ursel Siegler nur in Ruhe ihren Erbseneintopf zu Ende essen und danach ein Käffchen auf der Terrasse trinken. Sie wollte den Spätsommer genießen. Doch auf einmal riefen die Schwestern "raus", und nun sitzt Ursel Siegler in einem Reisebus und fährt "irgendwo zum Fernsehen". "Ich wollte nicht mitfahren, weil ich doch fast kein Einkommen habe", sagt sie leise, "aber Schwester Elisabeth hat mich überredet."

Acht Frauen aus dem Altenheim Luther-Stift in Wuppertal hat Schwester Elisabeth organisiert. "Wir kommen ins Fernsehen", sagt eine von ihnen. Daß sie nach Hürth fahren, wissen sie nicht. Und daß sie in einem stickigen Studio bei einer Karten-Rate-Show drei Stunden "höher" und "tiefer" brüllen müssen, hat ihnen niemand gesagt. Die Frauen sind über siebzig Jahre alt, nicht mehr gut zu Fuß, und die Hitze im Bus läßt ihren Atem kürzer werden.

Nichts müßten sie für die Reise bezahlen, hatte Schwester Elisabeth versprochen. Ursel Siegler glaubt es nicht so recht und hält mit beiden Händen ihre kleine blaue Handtasche fest. Aber ihre Sorge ist unbegründet.

Die Busfahrt bezahlt die Fernsehproduktionsfirma Fremantle. Das Unternehmen bescherte dem deutschen Fernsehpublikum im vorigen Jahr 1300 Game-Shows, darunter "Der Preis ist heiß", eine Preis-Rate-Sendung, deren Niveau für Jahrzehnte schwer zu unterbieten sein wird. Im Sommer hat es die Kartenverkaufsabteilung von Fremantle schwer, die Fernsehstudios in Hürth bei Köln zu füllen. Bis Juni kamen noch Kegelclubs und Hauptschulklassen. Nun wollen nicht mal mehr die, und deshalb betteln die Ticketing-Mitarbeiter bei Kirchen und beim Wuppertaler Luther-Stift um Zuschauer.

Daß überhaupt Gäste im Studio sind und der Applaus nicht vom Band eingespielt wird, liegt an Moderatoren wie Elmar Hörig. Der ehemalige Gymnasiallehrer moderiert die Rate-Show "Bube, Dame, Hörig", und er glaubt daran, vor richtigem Publikum bessere Witze zu machen. Das "Happy Birthday" für seine Assistentin Mio hätten sie wie ein "kastrierter Knabenchor" gesungen, sagt er den alten Frauen im Publikum und grient. Außerdem sollten sie beim Singen auf ihre dritten Zähne achten. Ursel Siegler lächelt verlegen. Sie ist blaß und sieht müde aus.

Es sind Menschen wie die allein lebenden Frauen aus dem Luther-Stift, die schon am Vormittag von Talk-Show zu Game-Show zappen und den Sendern Quote bringen. Selbst wenn die Talk-Moderatorin Bärbel Schäfer um 14 Uhr mit frühreifen Mädchen über das Thema "Mein Freund muß beschnitten sein" redet, sind rund sechzig Prozent der Zuschauer über sechzig Jahre alt.

Ursel Siegler findet die Show "ganz nett für jemanden, der das noch nicht kennt". Später wird sie sagen: "Ich war enttäuscht." Anders als die meisten Frauen aus dem Luther-Stift ist Ursel Siegler eine Zuschauerin der alten Schule. Vormittags sieht sie überhaupt nicht fern und nachmittags "keine Minute vor fünf". Dann guckt sie das Quiz "Jeder gegen Jeden", das "Glücksrad" und Nachrichten.

Nach eineinhalb Stunden im Studio kann Ursel Siegler nicht mehr. In einer Drehpause der zweiten Show geht sie einfach raus, einen Kaffee trinken.

Später, auf dem Weg zum Bus, müssen die Schwestern des Stifts drei alte Frauen stützen. Als der Bus an der Empfangshalle des Studiokomplexes vorbeifährt, sieht Ursel Siegler auf einem riesigen Plakat Ilona Christen.

Mit aufgerissenem Mund wünscht sie: "Guten Talk". Zwei Frauen in der vorletzten Sitzreihe nicken gerade ein.

Der Kranvermieter

Wenn Helmut Breuer vor Studio sieben steht und von seinem Einstieg ins Fernsehgeschäft erzählt, muß er lächeln. Studio sieben, die alte Halle am Eingang des Studiogeländes, war früher der Lagerraum seiner Kranfirma. "Und wenn der Musialik nicht dagegen gepinkelt hätte, wäre das heute noch so", sagt Breuer.

Im Oktober 1990 war Adam Musialik, Produktionsleiter von RTL, auf der Suche nach neuen Studios nach Hürth gefahren. "Ich war praktisch schon am Ende", sagt Musialik, "und dann, na ja, mußte ich eben." Danach blickte er sich noch einmal um. Die Halle schien ihm ein bißchen zu flach für die Lichttechnik, aber die Musikrevue mit Peter Kraus sollte schon im Februar aufgezeichnet werden. Musialik traf sich mit den Eigentümern der Halle, den Brüdern Bernd und Helmut Breuer. Als Helmut Breuer den Namen RTL hörte, sagte er sofort, die Vergrößerung der Halle sei kein Problem.

Weil Adam Musialik damals mußte, stehen im Nordosten von Hürth nun 34 Fernsehstudios. Rund 20 Firmen mit 800 festen Mitarbeitern machen hier 3500 Sendungen im Jahr. Von Hürth steuern Bärbel Schäfer, Ilona Christen und Hans Meiser den Nachmittag des deutschen Volkes, hier produzieren junge Firmen mit zwanzigjährigen Mitarbeitern Game-Shows und Soaps am Fließband. Weil Adam Musialik damals nicht mehr bis zur RTL-Toilette in Köln kam, nennt sich die 52 000-Einwohner-Stadt Hürth heute "Medien-Centrum", und die Pommes-Bude gegenüber der Studios heißt "Medien-Treff". Der SPD-Bundestagsabgeordnete von Hürth hält seine Stadt neuerdings für die "Mitte Europas", und die Zeitungen erzählen Geschichten von "Klein-Hollywood" oder "Holly-Hürth".

Da es nicht gelang, die alte Halle für den Fernsehbedarf umzurüsten, bot Helmut Breuer damals an, ein neues Studio zu bauen - innerhalb von sechs Wochen. "Meine vollständige Blödheit in der Medienbranche war mir eher hilfreich", sagt Breuer heute. Und Adam Musialik schmunzelt, wenn er an die ersten Gespräche denkt: "Ich hab' den beiden Brüdern gesagt, in dem Studio müssen konstant zwanzig Grad sein. Die nickten. Was das bedeutet, wußten die nicht." Breuer sparte beim Bau am Nötigsten. Nach den ersten Shows drängte Musialik auf Nachbesserungen. Breuer war genervt: "Wenn man uns von Anfang an gesagt hätte, was alles zu so einem Studio gehört, wären wir ausgestiegen."

Lichtgitter, Klimaanlage, Heizung - Breuer hielt das alles für Luxus. Er nannte die Halle am Anfang immer ,Kartoffelkiste'", sagt Produktionsleiter Musialik.

Begeistert waren der damalige Stadtdirektor Heribert Rohr und der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Lennartz. Sie schüttelten Hände und witterten Zukunft. "Die haben alle ,Heureka' geschrien und meinten, wir dürfen bauen", sagt Helmut Breuer. Von der flinken Fertigstellung des Studios erfuhr das städtische Bauamt erst aus der Zeitung. Sechsstellig sei das Bußgeld gewesen, sagt Breuer. Auch der Studiobau für die Soap "Geliebte Schwestern" vor wenigen Monaten mußte schnell gehen. Für eine Genehmigung blieb wieder keine Zeit. "Der Stadtdirektor hat mich vor dem Bußgeldbescheid angerufen und gesagt: ,Regen Sie sich nicht auf, ist nicht viel diesmal.'"

Helmut Breuer ist 51 Jahre alt, noch blond und nicht dick, aber daß er einmal westdeutscher Hallenmeister im Hochsprung war, sieht man ihm nicht direkt an.

Bei den ersten Verhandlungen mit der Produktionsfirma von Ilona Christen habe er immer gesagt, "wir ändern nichts", ansonsten aber nur "Bahnhof" verstanden. Er wisse bis heute nicht, was eine Maz-Maschine sei, und dreimal am Tag sei er mit Leuten aus dem Mediengeschäft essen gegangen, weil ihm sein Geschäftsführer gesagt habe, das gehöre dazu.

Breuer macht die Ahnungslosen-Nummer, und vielleicht hatte er wirklich ein bißchen Glück, als er sich auf Musialik verließ: In der Anfangszeit mietete der die Studios im Auftrag des RTL-Geschäftsführers Helmut Thoma mit Handschlag von Breuer. "Lean Organization" - an Breuer und seiner Studiobetriebsfirma Magic Media Company (MMC) sollte sich zeigen, wie leicht man selbständige Profitcenter schaffen konnte, wie einfach es war, Mitarbeiter von den Gehaltslisten des Senders verschwinden und auf eigenes Risiko arbeiten zu lassen. Und wie immer bei erfolgreichem Outsourcing läßt der Sender den kleinen Partner nicht von der Leine: RTL ist mit 51 Prozent Hauptgesellschafter bei MMC.

Breuer baute neue Hallen und renovierte alte. Der Umsatz seiner Firma kletterte von 4,2 Millionen Mark 1992 auf 46 Millionen Mark im vergangenen Jahr. Gewerbesteuern hat Breuer in den letzten Jahren fast gar nicht gezahlt.

Vielleicht lag das an Abschreibungsprojekten wie dem virtuellen Multimastering-Studio, zu dem ihn sein Geschäftsführer 1995 überredete. Das Studio funktioniert bis heute nicht, und Breuer wußte auch nicht genau, was das ist, aber der Name klang schließlich nach Zukunft und ein bißchen nach seinem Lieblingsfilm "2001 - Odyssee im Weltraum".

Breuers Geschäftsführer fuhr auf Messen, "nach Singapur und so", aber auf dem MMC-Gelände klappte die Zuteilung der Parkplätze nicht. Irgendwann produzierte MMC ein Image-Video, und als Helmut Breuer davon zu erzählen beginnt, taucht er aus der gepolsterten Bank des Restaurants auf und setzt sich kerzengerade hin: "Das müssen Sie mal sehen. Keiner am Arbeiten, alle auf der Sonnenterrasse. Sollte Kreativität ausstrahlen, aber das war nicht kreativ." Breuer erzählt vom vergangenen Jahr, als MMC in den roten Zahlen war: "Klinisch tot." Alle acht Manager habe er damals gefeuert, die selbstverliebten Schwarzweißphotos der Mitarbeiter von den Fluren gehängt und das "Dienen" wieder eingeführt. Die Mitarbeiter nannten ihn damals den "Killer", sagt Breuer stolz. "In der Familie war ich doch immer nur der eitle Hochspringer."

Die Moderatorin

In den lila Sesseln auf der Studiobühne sitzen Talk-Gäste, die über "Männer mit Nebenwirkungen" reden sollen. Mit derbem Schritt stampft die Moderatorin Ilona Christen herein. Zu einem Mann, der aussieht wie Burt Reynolds, sagt sie: "Ich freu' mich." Zu einer Frau, die aus Liebe 65 Kilo abgenommen hat, sagt sie: "Ich bin Ilona." Und zu der Frau, die sechzehn Unterleibsoperationen hinter sich hat und drei Jahre lang von ihrem Mann vergewaltigt wurde, sagt sie: "Ich bin Ilona. Ich freu' mich."

Der Durchbruch beim Fernsehen gelang Ilona Christen am 2. November 1973.

Damals sagte sie zum ersten Mal im Regionalprogramm der ARD an und wagte alles: Sie behielt ihre Brille auf. Das irritierte die Deutschen so, daß Ilona Christen binnen weniger Tage zur bekanntesten Fernsehansagerin wurde.

Ilona Christen, die damals noch Kleitz hieß, spürte, daß die Brille in ihrem Leben wichtig werden würde. Und weil alle Journalisten sie nach ihrer Brille fragten, kaufte sie sich immer mehr Brillen, damit die Journalisten etwas schreiben konnten. Heute hat sie 91 Brillen. Manchmal spendet sie eine davon für einen wohltätigen Zweck wie vor drei Wochen bei einer Versteigerung der Berliner Stadtreinigung zugunsten eines Kindergartens für Behinderte. Als keiner der dreißig Besucher die Brille wollte, nahm sie der Auktionator für seine Frau mit nach Hause.

Ilona Christen ist 46 Jahre alt. Mit 15 Jahren verließ sie die Schule und lernte Photokauffrau. Danach ließ sie sich zur Filmcutterin und Bildmischerin ausbilden. Sie nahm Sprechunterricht und moderierte den ZDF-"Fernsehgarten" und den ZDF-"Samstagstreff", dessen Höhepunkt eine Art Jokerspiel mit Tieren war. Für den "Fernsehgarten" rannte sie über Stoppelfelder und riß sich die Beine auf, sie sprang aus einem Hubschrauber und verletzte sich den Nackenwirbel. Nach sieben Jahren "Fernsehgarten" sagte der Unterhaltungschef zu ihr: "Wo wollen Sie denn mit 42 Jahren noch hin, wer nimmt Sie denn noch?"

Ilona Christen schnitt sich daraufhin die Haare ab. "Ein Stück Trauer" sei das gewesen. "Frauen schneiden sich dann immer die Haare ab." Danach beschloß sie: "Ich lasse keine Sendung und keinen Sender mehr so tief an mich ran."

Seit vier Jahren redet Ilona Christen für RTL mit ihren Gästen darüber, was zu tun ist, "wenn Frauen frech werden" oder "wenn nachts das Grauen kommt".

In Interviews mit Illustrierten erzählt Ilona Christen, welche Probleme ihr die Bauchspeicheldrüse macht und daß ihr Arzt einen "kalten Knoten" an ihrer Schilddrüse entdeckt hat. Sie sagt, daß ihr Mann schlecht küßt und in einem Puff in Mombasa war. Sie erwähnt, daß ihre Brüste noch herzeigbar sind, und sagt Sachen wie: "Ich rede mit Steinen und umarme Bäume." Und am Abend, nach der Sendung "Männer mit Nebenwirkungen", sagt sie: "Ich bin nicht mehr so blauäugig wie damals. Ich will, daß meine Privatsphäre abgeriegelt wird."

Ilona Christen bekommt den Riegel nicht zu. Genauso wenig, wie sie es schafft, sich zu den Talk-Gästen auf Distanz zu halten. Auch nach der 800.

Sendung passiert es manchmal, daß ihr die Tränen kommen. In solchen Momenten scheint sie ihren Gästen nah, so nah, daß es ihr nichts mehr macht, wenn sie Klatschreportern erzählt, daß ihr Mann einen schönen Arsch hat.

Aber nun soll einiges anders werden. Erstens sei das "allzu Private erst mal gestoppt worden", sagt der Geschäftsführer der Produktionsfirma voice Company, Stephan Temp. Zudem habe man Annelie Uphues als Beraterin für die Sendung gewonnen. Annelie Uphues hat bei Funk Uhr, Bild und Sat.1 gearbeitet, außerdem bei einem "Edel-Frauenblatt", das eingegangen ist, und sie hat Konzepte für Fernsehmagazine gemacht, die nie gesendet wurden. Uphues trägt sieben Ringe, ein gelbes Sakko, dunkel gefärbte, hochgesprayte Haare, und wenn sie sich zu ihrem Salatteller beugt, wird ihr tiefes, braunes Dekolleté knittrig. Sie sagt: "Das Produkt Ilona Christen soll frischer daherkommen", wobei sie mit den Fingern schnippt. Über das "Produkt Ilona Christen" hat Uphues viel nachgedacht, sogar eine 40-Seiten-Analyse geschrieben. Ilona Christen trage jetzt die Haare kürzer und nicht mehr ganz große Brillen, sondern eine mittelgroße. "Ich bin schließlich keine Typberaterin, sondern Journalistin", sagt Annelie Uphues. Dann flüstert sie: "Das Geheimnis der Sendung ist die Mischung. Du gibst den Zuschauern das, was sie hören wollen, und versuchst, was anderes drunterzumischen."

Nach den Aufzeichnungen "Männer mit Nebenwirkungen" und "Bei Anruf Geld - teure Kredite" schreibt Ilona Christen für die Gäste ihren Namen auf Autogrammkarten. Später denkt sie in ihrem sonnenblumengelben Redaktionszimmer darüber nach, wie sie sich am liebsten mag. Nach einer Weile sagt Ilona Christen: "So, wie es gefordert ist."

Der Psychologe

Gary Bente hat sie alle gesehen, alle. Arabella Kiesbauer, die mit kleinen Mädchen das Thema "Lolitas: jung, knackig, raffiniert" erörterte, und Jürgen Fliege, der seinen Kopf mitfühlend nach links neigte, als ihm eine Frau erzählte, sie sei von ihrem Psychiater mißbraucht worden. Er hat Ilona Christen gesehen, Vera Int-Veen, Sonja Zietlow, Bärbel Schäfer, Johannes B.

Kerner und Hans Meiser. Nicht einen Nachmittag, ein halbes Jahr lang, jeden Tag.

Und er hat alles gelesen, was schlaue Menschen über diese Art Unterhaltung geäußert haben. Roman Herzog, der von "flächendeckender Volksverdummung" spricht, und die französische Soziologin Dominique Mehl, die in ihrem Buch "Télévision de l'intimité" beschreibt, wie sich die öffentliche Kommunikation von der intellektuell-politischen Ebene zu gefühlsmäßigen, zwischenmenschlichen Erfahrungen verlagert. Er kennt die Thesen von der Atomisierung der Gesellschaft, der Entsolidarisierung, vom Exhibitionismus und vom Abschleifen der Grundlagen des Gemeinwesens. Natürlich auch Jürgen Habermas' "Strukturwandel der Öffentlichkeit", worin von der Auflösung öffentlicher und privater Räume und von der Scheinöffentlichkeit der Massenmedien die Rede ist.

Schließlich hat der Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Universität Köln ein Buch über "Affektfernsehen" geschrieben. Darin untersucht er die Wirkung der Talk-Shows, die sich täglich zwölf Millionen Deutsche ansehen, und die Gründe, die Menschen auf die TV-Bühne treiben. Nach vielen Gesprächen mit Talk-Gästen, Zuschauern, Redakteuren und Moderatoren sagt Gary Bente: "Ja, man kann eine Talk-Show auch gut machen - so, daß sie Menschen nutzt."

Das war zuviel, ein Dolchstoß für seine Disziplin. Von anderen Wissenschaftlern sei ihm Versöhnlertum vorgeworfen worden, sagt Bente. Der Chef der Landesrundfunkanstalt von Rheinland-Pfalz hätte das Buch gern in irgendeiner Schublade versenkt. Bente sagt: "Die Intellektuellen sollten sich an die eigene Nase fassen. Das, was sie jetzt im Fernsehen sehen, haben sie im Psychoboom der siebziger Jahre für sich reklamiert. Damals sind alle in Selbsterfahrungskurse gerannt nach dem Motto ,Kotz deine Gefühle aus' und haben gesagt: ,Das macht mich echt betroffen.'"

Gary Bente ist 46 Jahre alt und trotz der gepolsterten Sitzecke mit der Teestubenatmosphäre in seinem Arbeitszimmer zu jung für einen richtigen 68er.

Den Gruppendruck damals fand er sowieso "diktatorisch", und die "68er Psychofuzzis" sähen sich heute Jürgen Fliege an.

Wenn Bente über Fliege redet, spielt er ein bißchen Comedy - er legt den Kopf schief und spricht so sanft wie der Fernsehpfarrer. Doch dann sagt Bente auf einmal knapp: "Fliege ist gefährlich." Seine Stimme wird schärfer: Dieser Talk-Master fordert ihn, denn Fliege geriert sich als einer, der, wie Bente, mit den Mitteln der Psychologie arbeitet. "Die Methode, die Fliege vorspielt, heißt nondirektive Gesprächspsychotherapie. Die zentrale Regel dabei ist, daß der Klient, hier also der Gast, das Tempo des Fortgehens bestimmt. Diese Regel kann niemand einhalten, der in einer halben Stunde mit der Sendung fertig sein muß."

Fliege versuche, die Gäste um jeden Preis auf die Gefühlsebene zu zerren. "Er erörtert nicht die Umstände, wie der Mann mit dem Hammer auf seine Frau losgegangen ist, sondern sagt: ,Da haben Sie aber einen großen Schrecken bekommen.' Platter geht es nicht." Wenn sich Zuschauer nicht auf diese Masche einlassen, versuche Fliege banal zu reflektieren und sage Sachen wie: "Das muß Ihnen aber sehr nahe gegangen sein. Das macht mich jetzt, äh ja, betroffen wäre zuwenig gesagt, das macht mich wütend."

Während Fliege ein Gemisch aus Priester und Therapeut sein wolle, spiele Arabella Kiesbauer die kokette Freundin von nebenan. "Bei Arabella ist das wie in der Disco. Die hampelt rum, springt von einem zum anderen und wird mit aktiver Kamera begleitet - alles symbolische Interaktionen im Dienste der Jugendlichkeit der Sendung." Über Hans Meiser sagt Bente: "Meiser ist der Typ des befragenden Journalisten und hält sich stark an Sachinformationen. Er steht im Publikum und befragt die Gäste stellvertretend für den Zuschauer, und wir denken: ,Meiser, frag ihn mal, unterbrich ihn mal.'" Er habe bei Meiser ein "gutes Gefühl", sagt Bente. Ob er auf Meiser hereingefallen sei?

"Ja klar, ich bin kommunikativ auf ihn reingefallen. Meiser ist freundlich, aber nicht penetrant, vertraut, aber nicht vertraulich, und er belastet den Beziehungskanal nicht so stark."

Ilona Christen, als mütterliche Therapeutin gedacht, sei kommunikativ ohne jede Strategie. "Die kann es einfach nicht", sagt Bente. Als in ihrer Sendung ein todkranker Mann saß, der die nächste Woche nicht überleben würde, habe Christen mit dem Kopf gewackelt und gesagt: "Manchmal geschehen Wunder." Für Bente ist sie "der Prototyp von Hilflosigkeit". In ihren Sendungen ist sie häufig sprachlos. Manchmal muß sie weinen. Bente sagt: "Sie verausgabt sich emotional und versumpft gefühlsmäßig - wenn sie zu Hause ihren Baum umarmt und wenn sie ihren Gästen gegenübersteht. Denn sie hat keine Techniken, sich selbst zu distanzieren und zu schützen." Ilona Christen sei ein bißchen wie ihre Gäste. "Man hat das Gefühl, hinter die Kulissen zu schauen."

Auch die Gäste hat Bente nach Sozialtypen geordnet. Der "Fernsehstar" wolle sich exponieren, während der "Patient" die Sendung zu einer therapeutischen Selbsterfahrung nutze. Der "Ideologe" versuche, seine Botschaften zu veröffentlichen und sein Selbstbild zu festigen, dem "Rächer" biete der Auftritt die seltene Möglichkeit, einmal "Herr der Lage" zu sein.

Das Klischee von den Mühseligen und Beladenen, die sich auf die Bühnensofas begeben, stimme nicht. Oft kämen die Talk-Gäste zwar aus sozialen Unterschichten, "aber sie sind es häufig, die zusätzlich noch etwas probieren". Und daheim gebe es Streicheleinheiten für die Tapferkeit. "Die Leute kommen als kleine Stars zurück", sagt Bente.

Er widerspricht Forschern, die vor zunehmender Vereinsamung der Zuschauer an den Fernsehgeräten und deren Scheinteilnahme am Leben warnen. "Was ins Wohnzimmer kommt, das ist wie der Blick über den Gartenzaun. Da laufen soziale Vergleichsprozesse ab. Die Menschen gucken sich bestimmte Sachen ab, können ihr eigenes Selbstbild stabilisieren und sehen, daß Schwule im Fernsehen auftreten können, ohne gesteinigt zu werden."

Es sind eher die älteren Menschen und Hausfrauen, die nachmittags gucken, hat Bente herausgefunden. Eher die romantisch Veranlagten, die Befürworter von Heim und Familie und eher solche, die selten ins Theater gehen. "Eben eher die Spießer", sagt er und setzt schnell hinzu: "obwohl ich den Begriff vermieden habe".

Der Gastwirt

Ein halbes Jahr mache er noch, dann sei aber wirklich Schluß. Das erzählt Jupp Mohr schon ewig. Seit 1963 steht er hinter der Theke der "Gaststätte Mohr" gegenüber den Fernsehstudios. Das Problem von Jupp Mohr: "Ich kann den Laden doch nicht an jeden Jeck verkaufen." Schon gar nicht nach jenem Tag im Juni 1994.

"Da saß hier so 'n Blonder, und ich denke, den kennste doch", sagt Jupp Mohr.

Seine Frau flüsterte ihm in der Küche zu, das sei Howard Carpendale, und weil Jupp Mohr damals noch nicht "das Buch" hatte, schob er Carpendale einen karierten DIN-A5-Zettel zur Unterschrift über den Tisch. "Und dann kam der Koschwitz mit seiner ganzen Kolonn' von der ,Nachtshow', dat wurde richtig schlimm", sagt Mohr. Mit den elf Kegelclubs, dem Sportverein, der Karnevalsgesellschaft und dem Klub der Sparer war Mohr eigentlich ganz gut bedient. Und irgendwann standen auch noch Ken Kercheval und Lucie von "Dallas" vor ihm. "Dat kannste gar nicht begreifen, so wat aus Amerika hier beim Mohr." Unterhalten habe er sich zwar nur "so über vier Ekken", aber Mohr hatte ja schon das Erinnerungsbuch: "There is no place like this in Dallas", schrieb ihm Kercheval da rein. Und dann blättert Mohr die Seite mit einer Entenzeichnung von Gottfried Hellnwein auf: "Hier, dat is wertvoll, dat macht der selten, dat er einem so ein Dingen reinmalt."

Auf der letzten Seite des Buches klebt ein Photo, auf dem Mohr zur Abschluß-Show von Koschwitz als Talk-Gast auf der Bühne zu sehen ist. Mohr trägt eine graue Hose, ein grau-weißes Hemd, graue Sandalen und lacht wie ein alter Fernsehhase ins Publikum. "Jecke Zeiten."

Seine Frau erzählt, wie die Kegelklubs murrten, wenn die Fernsehleute schon wieder alle Plätze besetzt hatten. Thomas Koschwitz habe kurze Gags in Mohrs Garten, auf der Kegelbahn und in der Badewanne gedreht. Putzen mußte immer Frau Mohr. Irgendwann sei es "lästig" geworden: "Die kamen jeden Tag zum Drehen, und sie waren überall, sogar in unseren Betten." Nach zwei Jahren floppte die Show und wurde abgesetzt. Seitdem kommen nicht mehr so viele.

"Nur ab und zu Jenny Jürgens, die Tochter vom Udo", sagt sie und trocknet ein Kölsch-Glas ab.

Der Statistiker

Hoch über Frankfurt am Taunusrand, dort, wo der Anteil der Millionäre so hoch ist wie andernorts der von Sozialhilfeempfängern, liegt Kronberg. Am Ortseingang steht ein großes Haus, dessen brauner Stein so edel glänzt, daß es "Palais Kronberg" genannt wird. Darin arbeiten Angestellte einer Firma, deren Logo so aussieht wie der Kopf eines Indianers mit Federschmuck.

"Das ist aber ein Fischkopf", sagt Thomas Sudholt. "Und das, was so aussieht wie fünf Ausrufezeichen, sind die fünf Stärken der Firma - Kundenorientierung, Marktkenntnis, perfekte technische Ausstattung und ..." Die anderen zwei Stärken müßte er noch mal nachgucken. Thomas Sudholt ist 36 Jahre alt und leitet die Forschungsabteilung von IP, dem größten Werbevermarkter Deutschlands. Sudholt hat ein blasses, weiches Gesicht und sieht aus wie ein Theologiestudent Mitte Zwanzig. Er wollte Schauspieler werden, hat Theaterwissenschaft und englische Literatur studiert und saß monatelang über Büchern in der Münchner Shakespeare-Bibliothek. Irgendwann hat er wegen der Berufsaussichten auf Medienkommunikation gesetzt, und nun sagt er: "Was ich spannend finde, ist, Werbestatistiken bildlich zu machen."

Trotz des überhitzten Marktes fischten die 248 Mitarbeiter von IP im vergangenen Jahr Aufträge über 3,9 Millionen Mark - meist für den Hauptkunden RTL. Der Sender ist quasi Eigentümer der Firma, denn IP ist ein Tochterunternehmen von Bertelsmann. Mit seinen sechzehn Mitarbeitern seziert Sudholt die Fernsehzuschauer nach Zielgruppen. Er kriecht mit seinen Computern in deren Zimmer, weiß, wer Tee trinkt und wer gern Zartbitterschokolade ißt. Nur wenige können den Werbekunden einzelne Zuschauergruppen so treffsicher präsentieren wie er. Sudholt sagt bescheiden: "Wir haben Planungssysteme entwickelt, die sehr zielgenau sind."

Die Basis für Sudholts Datengemisch liefert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). In 5000 Haushalten stehen deren Meßgeräte, die das Ein-, Aus- und Umschalten registrieren, also das, was am nächsten Tag zur "Einschaltquote" wird. Jedes Haushaltsmitglied hat außerdem eine besondere Fernbedienung der GfK, mit der es sich zum Fernsehen an- und abmeldet. Über diese Menschen weiß Sudholt zum Beispiel, wer sich wie stark für Autobatterien interessiert. "Die Daten sind zwar anonymisiert, aber über den Datensatz hinter den Personen können wir Zielgruppen bilden und die abgreifen." Der zurückhaltende, leise Medienstratege Sudholt sagt wirklich "abgreifen". Er kann für die "Marketingkollegen" der Brauereien die Sehgewohnheiten der Pilstrinker abgreifen, und aus seinem Computer greift er jetzt mal die Gruppe der über sechzigjährigen Zuschauer von Ilona Christen ab. Innerhalb von Minuten erfährt er, daß im zweiten Quartal 1997 durchschnittlich 690 000 Menschen über sechzig Jahre den Nachmittags-Talk verfolgten. Er sieht auf dem Bildschirm, daß 86,9 Prozent von ihnen eine "Produktpräferenz" für Bohnenkaffee haben, aber nur 7,1 Prozent für tiefgekühlte Fertigkost. Sudholt weiß, wie viele Zuschauer Arztserien mögen, und er sieht, daß nur sieben Prozent der rund 1,5 Millionen Zuschauer Akademiker sind.

Die Talks seien als "Reminder" nicht doll, sagt Sudholt. Man wisse nie genau, wer die Couchgespräche wie intensiv verfolge. Mit Talks werde meist das Image klassischer Marken gefestigt. Mit Soaps sei das anders. Mit ihnen seien Zielgruppen optimal zu steuern. Man könne einen hohen "Werbedruck" auf die Jugendlichen ausüben, neue Produkte einführen, weil man sicher sein könne, immer dieselbe Zielgruppe zu erreichen. Überhaupt Serien, das seien "die Kunstwerke, die das 21. Jahrhundert überleben werden", sagt er, "ein Vehikel für den Sender, um Quote zu machen, in die Presse zu kommen und an Popularität zu gewinnen". Sudholt hält kurz inne. Dann sagt er leise: "Serien sind modernes Theater."

Sudholt blättert kurz in einem Buch. "Auf der Suche nach dem Publikum" ist der Titel. Ob Werbung auf ihn wirke? "Ja schon", sagt er, "besonders gerne erinnere ich mich an die Spots mit den Doppelklingenrasierern von Gilette, die haben mich überzeugt."

Der Serienheld

Als Eric Benz um Viertel nach fünf ins Badezimmer schlich, dachte er, heute drehen zu müssen. Für seine Rolle als Bäckerlehrling, erinnerte er sich, sah das Drehbuch eine neue Frisur vor. Er weckte seine Freundin, damit sie ihm die Haare schnitt. Dann trank er sechs Dosen Red Bull und fuhr mit seinem Motorroller nach Hürth. Auf dem Weg fiel ihm ein, daß er gar nicht drehen mußte, sondern nur Textprobe hatte. Und nun steht Eric Benz in der Kulisse des Bäckerladens herum, kann seinen Text nicht und fragt: "Wo bin ich?"

Antwortet der Regisseur: "Du bist erst mal gar nicht zu sehen, und dann sagst du: ,Sind die Berliner fertig?'"

Eric Benz ist siebzehn Jahre alt und spielt eine Hauptrolle in der täglichen Seifenoper "Unter uns", die um 17.30 Uhr den Soap-Vorabend einleitet. Im März, in der elften Klasse, hat er dafür die Schule abgebrochen. Er hatte nie Schauspielunterricht. Außer einer türkischen Darstellerin hatte das keiner der Jungdarsteller. Die zwölf hatten Gesichter, die zur Rolle paßten, Glück bei den Massen-Castings oder wurden von jemandem auf einem Laufsteg oder in Werbefilmen entdeckt. Eric Benz bekam seine Rolle, weil er ein Kind des Fernsehens ist. Als Zehnjähriger trat er in der "Mini-Playback-Show" auf. Er kam in einem Rockabilly-Kostüm die Showtreppe herunter, sang etwas von Big Bopper und gewann. In der Dirk-Bach-Show spielte er mit zwölf Jahren einen Jungen, der den Verkäufer eines Spielzeugladens mit vorgehaltener Spielzeugpistole zwingt, einen Teddy herzugeben. Eric Benz hat eine kleine Lücke zwischen den Schneidezähnen, große Grübchen, wenn er lacht, und irgend jemand vom Film hatte sich damals sein Gesicht gemerkt und unter "Witz" gespeichert. "Ich glaube, da ist eine Redakteurin von RTL zu Grundy-Ufa gewechselt und hat mich empfohlen", sagt Eric Benz.

Grundy-Ufa, ein Gemeinschaftsunternehmen des australischen Soap-Pioniers Reg Grundy und der Bertelsmann-Tochter CLT/Ufa, produziert vier der sechs deutschen daily soaps. Darunter "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und "Unter uns", die beiden Marktführer in der am meisten umworbenen Gruppe der 14- bis 29jährigen. Von den rund vierzehn Millionen Soap-Guckern beliefert Grundy-Ufa rund elf Millionen, jeder dritte von ihnen ist unter dreißig Jahre alt. Das junge Publikum sieht die Serien nicht wegen der Handlung, sondern wegen der gesendeten Zeichen und Trends des Alltags, vermutet der Duisburger Medienwissenschaftler Udo Göttlich. Durch Auftritte von Boy-Groups und das Wälzen von Pubertätsproblemen bauten die Sender "Brücken zur Jugendkultur", forcierten ein "Kult-Marketing" und, viel wichtiger, festigten ihr Senderimage. Es sind "große vorletzte Fragen" (Spiegel), die sich dem Seriennutzer stellen und RTL verläßliche Gewinne bringen: 4000 bis 7000 Mark kostet die Soap-Minute, und 820 000 Mark spielen die Werbepausen am Tag ein.

Eric Benz sagt: "Alles, was wir in der Soap sagen, ist so banal und nebensächlich, daß man denkt: ,Hey, so 'n Scheiß ist mir auch schon passiert.'" Die Dialoge der Akkordschreiber der Soap-Industrie kennen keine Andeutungen. Es gibt kein Ahnen, nur Wissen. Nichts bleibt unerklärt, vor allem nicht beim Sex. Was da geredet werde, gehört nach Ansicht des Adolf-Grimme-Instituts "zu den trostlosesten Diskursen dieses Jahrzehnts".

Irina Krajewski ist fünfzehn Jahre alt und wartet mit acht anderen Mädchen darauf, daß aus Studio 11 Eric oder Lomeo kommen, die bei "Unter uns" mitspielen. In der Schulzeit kann Irina nicht so oft nach Hürth fahren, denn von Herne braucht sie zwei Stunden. Aber im Sommer hat Irina jeden Tag gewartet, die ganzen Ferien. Sie hat sich in der Sonne die Waden verbrannt und 350 Photos von den Darstellern gemacht.

Als Eric und Lomeo am Mittag aus dem Studio kommen, bleiben Irina und die anderen Mädchen brav hinter der Absperrung stehen. Dort schreibt Eric Benz seinen Namen auf Autogrammkarten, auf denen er mit hochgegelten Haaren in die Kamera lacht. Er trägt eine O'Neill-Sonnenbrille, einen braunen Schlabberpulli und eine Baseballkappe. Er sieht aus wie ein kleiner Bruder der Mädchen, die ihn überragen. Trotzdem wirkt er locker. Später sagt er: "Ich lebe nach Rock, und das heißt: ,Alles locker sehen'." Eric Benz will sich gleich nach seinem achtzehnten Geburtstag ein Auto kaufen, einen Mercedes 300 CE. "Mein Auto", sagt Eric Benz, "muß gepflegt und sauber sein und eine Klimaanlage haben."

Vielleicht hat Eric Benz die "Mini-Playback-Show" nicht grundlos gewonnen, vielleicht hat er wirklich schauspielerisches Gefühl - hinter der Bäckertheke bekommt er keine Chance, es zu zeigen, auch wenn der Regisseur gerade den Darstellern zuruft: "Ja, spielt euch frei."

Später, als die Mädchen weg sind, bleibt Eric Benz vor der Studiotür stehen.

Er liest seinen Namen, den die Mädchen in Herzen auf die Blechwand geschrieben haben. Sein schmales, blasses Gesicht rührt sich nicht. Über den Eingang hat jemand klein "Schauspielschule" geschrieben. Vor einem Spruch bleibt Eric Benz etwas länger stehen. "Was wären wir ohne euch?" Und in Klammern darunter: "Vielleicht glückliche Menschen?"