Vor drei Jahren lieferte Ernst Ulrich von Weizsäcker, der Ökoguru vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, dem Club of Rome einen Bericht ab, den er gemeinsam mit zwei amerikanischen Kollegen geschrieben hatte.

"Faktor vier. Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch", so der Titel des Werkes, dessen Botschaft die Autoren als "neu, einfach und aufregend" ankündigten. Das Buch wurde in der grünen Szene zu einer Art Bibel, beschrieb es doch anhand von fünfzig ganz konkreten Beispielen das Kunststück, aus weniger Rohstoffen und Energie mehr und bessere Produkte zu machen - und dabei fast nebenbei die Umwelt zu entlasten. Seitdem ist der Begriff der Ökoeffizienz in aller Munde.

Seit neuestem haben auch all jene, die sich selbst nicht gerade zu den Ökofreaks zählen dürften - vor allem die Börsenspekulanten -, allen Grund, Weizsäckers Ratschläge zur Kenntnis zu nehmen. Ökoeffizienz steigert nämlich den Wert von Unternehmen und treibt die Aktienkurse in die Höhe. Diese Erkenntnis kommt mitnichten aus der grünen Ecke, sondern von der Schweizer Bank Sarasin & Cie, die sich gemeinsam mit dem Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel dem Thema "Umwelt und Shareholder Value" gewidmet hat.

Entgegen dem verbreiteten Vorurteil schließt danach das Schielen auf den Shareholder value einen "geschickt ausgestalteten" betrieblichen Umweltschutz keineswegs aus. Im Gegenteil: Intelligenter Umweltschutz stärkt die sogenannten Werttreiber. So erhöht materialarme Technik den Unternehmenswert ebenso wie das umsatzsteigernde Vordringen in "grüne" Marktsegmente. Auch der durch Umweltmanagement mögliche Zugang zu zinsgünstigeren Krediten und die Vermeidung "systematischer Risiken" - beispielsweise durch Ökosteuern drohende Energiepreisschübe - wirkt sich positiv auf den Unternehmenswert aus. "Konfliktpotentiale zwischen Umweltzielen und finanziellen Zielen einer Unternehmung" könnten mithin durchaus vermindert werden, heißt es in der Studie.

Dies wird anhand von drei konkreten Beispielen verdeutlicht. So ist es der "grünen" britischen Firma Body Shop während der vergangenen zehn Jahre gelungen, den auf Wettbewerbsmärkten normalen Verfall der Gewinnmargen durch Umsatzwachstum mehr als wettzumachen. Der Grund: eine erfolgreiche Nischenpolitik mit den Attributen Ökologie und Gesundheit. Die Kernenergie dagegen hat sich, zumindest in Großbritannien, als ausgesprochen schlechtes Investment erwiesen. British Energy, der einzige Betreiber von Kernkraftwerken in Großbritannien, konnte keine mit den Konkurrenten vergleichbare Rendite erzielen - nicht zuletzt wegen der "unproduktiven" Sicherheitsinvestitionen. Wie sensibel der Shareholder value auf Umweltkennziffern reagieren kann, zeigt auch das folgende Rechenexempel: Sollten sich nämlich die Politiker eines Tages doch noch zu einer CO2-Steuer durchringen, könnte das ein Chemiegigant wie Sandoz mit einem operativen Gewinn von fast 10 000 Mark pro Tonne CO2 im Jahr 1995 viel einfacher verschmerzen als beispielsweise Hoechst. Dort belief sich der Gewinn nur auf 451 Mark je Tonne CO2. Konsequenz: Eine CO2-Steuer würde den Unternehmenswert vermutlich senken.