Was haben Austern, Champagner und Zugfahren gemeinsam? Ökonomiestudenten lernen das in den ersten Semestern, und zwar durch eine Grundregel und deren Variationen: Die Nachfrage nach einem Produkt steigt, wenn der Preis sinkt - so die Regel, die wahrscheinlich auch die Manager der Bundesbahn einst gelernt haben. Denn prompt kreierten sie das "Schöne-Wochenend-Ticket" und verursachten so Schlangen vor den Fahrkartenschaltern, Menschenmassen auf den Bahnsteigen und überfüllte Zugabteile. Der Preis ist niedrig, die Nachfrage offensichtlich groß. Und die Kasse klingelt.

Doch nun kommt die höhere Ökonomie. Denn daß die Bahnoberen das Ticket wieder abschaffen könnten und Bahnfahren am Wochenende dann richtig teuer wird, liegt nicht etwa an ökologischer und ökonomischer Ignoranz. Im Gegenteil. In späteren Semestern lernen Ökonomiestudenten schließlich eine Variation der Regel kennen, den Veblen-Effekt. Demzufolge steigt die Nachfrage auch dann, wenn der Preis eine Ware zum Luxusgut macht. Champagner oder Austern müssen also nur teuer genug sein, um Prestigesüchtige zum Kauf zu animieren. Was das Zugfahren damit zu tun hat? Nichts - aber das werden die Bahnchefs wohl auch noch merken.