Unerbittlich nimmt das so makabre wie possierliche Spektakel seinen Fortgang. Niemand kann es aufhalten, niemand seinen Ausgang vorhersagen.

Strauchelt sie? Stürzt sie? Ist sie schon gekippt? Nein, da geht sie ja noch!

Das Schauspiel trägt den Titel "Die Neuregelung der deutschen Schulorthographie", bekannter unter dem arg hyperbolischen Namen Rechtschreibreform. Stattfinden kann es, weil wir Deutschen zu Fundamentalisten werden, wenn es um Normen geht, und jene Minireform auf den liebsten aller Wege geschickt haben, den Rechtsweg. Seit März dieses Jahres mußten zwölf Verwaltungsgerichte darüber entscheiden. Sieben entschieden dafür, fünf dagegen, alle mit unterschiedlichen Gründen und Konsequenzen.

Inzwischen ist die zweite Runde angelaufen. Vier Oberverwaltungsgerichte (Schleswig-Holstein, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und nun auch Hamburg) ließen die Neuregelung passieren, eins (Niedersachsen) ließ sie nicht, und Ministerpräsident Schröder, der eine Wahl gewinnen will, pfiff seinen Kultusminister Wernstedt zurück und machte, daß dieser die Reform in seinem Bundesland bis zur endgültigen politischen und juristischen Klärung aussetzte.

Der nächste Zug von Bedeutung liegt nun beim Bundesverfassungsgericht.

Voraussichtlich im Frühjahr 1998 entscheidet es - natürlich nicht, wie was geschrieben werden soll, sondern ob das Beschlußverfahren soweit korrekt war: ob Gesetze hätten sein müssen, wo nur Verordnungen waren. Auch dieser Spruch aber, so oder so, dürfte kaum das letzte Wort sein.

Kurz, einerseits gibt es die neue Orthographie. An so gut wie allen Grundschulen (außer nun in Niedersachsen) wird sie unterrichtet, ohne daß von dort Katastrophenmeldungen kämen, immer mehr Bücher werden nach ihren Regeln gedruckt, nicht nur Schulbücher, denn der Bürger ist in Umfragen zwar dagegen, verlangt im Buchladen aber nach ihr, sogar noch vor der Zeit.