Die Burscheider Unternehmensberatung Dr. Werner Wohlfahrt verbreitet ein geradezu exotisches Flair. Das Unternehmen, spezialisiert auf Umweltberatung, hat seine Führungspositionen zur Hälfte mit Frauen besetzt - und das ganz ohne Frauenförderprogramm.

"Frauenförderung beginnt bei uns im Kopf", sagt Personalchefin Friederike Adolph-Richter. Schonbei der Formulierung von Stellenanzeigen achtet sie darauf, daß sich Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen fühlen. "Und auch bei den Vorstellungsgesprächen geben wir uns Mühe, nicht auf das Geschlecht, sondern einzig auf die Qualifikation zu achten." Einige Kunden reagieren zuweilen noch mit Erstaunen, wenn "Dr. Wohlfahrt" ihnen Frauen als technische Berater schickt. Die Personalchefin ist jedoch überzeugt: "Unsere Personalpolitik wird Schule machen."

Haben Frauen in deutschen Unternehmen heute bessere Chancen? In den Vorstandsetagen der Großunternehmen ist die Frauenförderung seit Beginn der neunziger Jahre Thema. Mehr als hundert Unternehmen haben Frauenförderpläne eingeführt. In den meisten dieser Pläne geht es vor allem darum, berufstätigen Müttern die Organisation von Familie und Arbeit zu erleichtern: durch flexiblere Arbeitszeiten. Die Bayer AG erprobt die Aufteilung von Arbeitsplätzen zwischen Büro und Wohnung. Bei der Kölner Rewe-Gruppe können die Beschäftigten ihre Arbeitszeit auf einige Tage in der Woche konzentrieren - oder sogar die vorgesehene Stundenzahl über ein halbes Jahr aufteilen. Beim Gerling-Konzern können Mitarbeiter eine längere Mittagspause nehmen - um etwa die Kinder zu bekochen. Auch Heimarbeit und sogar Teilzeit für Führungskräfte bietet der Versicherer an.

Die Frauen profitieren vom Rationalisierungsdruck, dem die Arbeitgeber ausgesetzt sind. Für immer mehr Unternehmen werden längere und flexible Arbeitszeiten zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit. Zudem zahlt es sich aus, qualifizierte Mitarbeiterinnen über die Familienpause hinaus ans Unternehmen zu binden. "Die hire und fire-Kosten sind enorm", sagt Monika Rühl, Beauftragte für Chancengleichheit der Lufthansa, "Inserat aufgeben, der Zeitaufwand für Stellenbesetzung und Einarbeitung" - all das überzeugt so manchen Personalchef von familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Wirtschaftlichkeitsdruck und Frauenförderung, meint Monika Rühl, gingen hier Hand in Hand. In schwierigen Zeiten reguliere sich eben alles über die Kosten.

Die Lufthansa macht derzeit mit einem neuen Modell Furore, dem "flexibilisierten Erziehungsurlaub". Viele Mütter wollen nach der Babypause zunächst Teilzeit arbeiten. Der Anspruch auf Wiedereinstellung besteht jedoch nur für die alte Stelle - meistens ein Vollzeitjob. Die Lufthansa will ihre Erziehungsurlauberinnen nun davon überzeugen, schon nach kurzer Zeit wieder zu arbeiten - auch wenn es nur wenige Stunden sind. Die Stunden, die während des Erziehungsurlaubs gearbeitet werden, können später abgefeiert werden.

Faktisch schließen sich damit an den Erziehungsurlaub einige Jahre Teilzeitarbeit an - ein weicher Übergang zurück ins Arbeitsleben.