Was immer wir tun, ständig braucht unser Körper Energie. Doch welcher Strom läßt das Lebenslicht leuchten? Wenn Muskeln richtig zucken, Zellen wachsen und Nerven sauber ticken sollen, dann ist stets der Hoflieferant für Energie im Spiel. Er heißt ATP (= AdenosinTriPhosphat) und durchläuft unseren Stoffwechsel gleich zentnerweise. So verbraucht ein ruhender Erwachsener täglich eine ATP-Menge, die seinem halben Körpergewicht entspricht. Bei harter Arbeit schnellt der Verbrauch gar hoch auf fast zwanzig Zentner pro Tag.

Biochemiker bezeichnen ATP als universelle Energiewährung, die für alles Leben - ob Pflanze, Tier oder Mensch - so wichtig ist wie das Geld für die Wirtschaft. Die drei diesjährigen Nobelpreisträger für Chemie - Paul Boyer (Los Angeles, USA), John Walker (Cambridge, Großbritannien) und Jens Skou (Aarhus, Dänemark) - haben jene Mechanismen aufgeklärt, die dem gewaltigen Stoffumsatz an ATP in Lebewesen zugrunde liegen. Ihre Grundlage ist Recycling: Am benötigten Ort zerfällt energiereiches ATP in ADP (= AdenosinDiPhosphat) plus Phosphat plus ein Quentchen Energie. Dann werden ADP und Phosphat eingesammelt und wieder zusammengebacken zu ATP. Dieser Kreislauf erinnert an moderne Kreditkarten, deren Chip zum Bezahlen entladen und dann am Bankterminal erneut geladen werden kann. Die Lebenswährung wird quasi in Pfennigbeträgen abgestottert - und daher extrem viel ATP recycelt.

Paul Boyer und John Walker haben jene Vorgänge genau untersucht, bei denen das ATP "aufgeladen", also aus ADP und Phosphat zusammengeschweißt wird. Dies bewirkt ein Enzym mit drei Zangen. Damit schnappt es sich ADP und Phosphat und hämmert sie wie eine Münzpresse zusammen zum Energiepfennig ATP.

Angetrieben wird diese molekulare Maschine durch eine Art Wasserrad, eine Protonenpumpe. Sie bezieht ihre Energie aus der Verbrennung von Nährstoffen.

Der Däne Jens Skou hat die Struktur eines Enzyms aufgeklärt, das umgekehrt ATP als Energielieferanten nutzt und damit eine Pumpe für Ionen betreibt. Die Ionen dienen zum Aufbau elektrischer Spannungen in den Zellen. Nur dann können beispielsweise Nervenzellen Impulse übertragen. Ohne ATP-Strom verliert der Mensch das Bewußtsein, nach wenigen Minuten verlöscht sein Lebenslicht.