Ohne große diplomatische Floskeln hat der Papst kürzlich dem neuen deutschen Vatikanbotschafter Jürgen Oesterhelt - gleich zur Begrüßung und auf deutsch - seine Meinung gesagt: "Noch ein Traum" sei die innere Einheit Deutschlands, da "längst nicht alle inneren Mauern abgetragen" seien einer Freiheit ohne Einheit aber "droht das Chaos". Zum Beispiel beim Abtreibungsrecht: "Welch schreckliche, blutige Mauer muß hier noch im eigenen Haus eingerissen werden!" Und beim Religionsunterricht: Die Wiedervereinigung dürfe doch kein Anlaß sein, "die Option für den christlichen Gott auseinanderzudividieren".

Ohne ihn sei auch das geplante europäische Haus "auf Sand gebaut". Ja, die Völkerfamilie drohe, "unter seinen Trümmern begraben zu werden". Warum wurde diese düstere Warnung, die der Vatikanzeitung Osservatore Romano eine sechsspaltige Schlagzeile wert war, von großen deutschen Tageszeitungen weitgehend ignoriert? Vielleicht, weil doch nicht alle Wege nach Rom führen.