Friedhofsruhe am Kai, kein Schiff wird kommen, nichts ist mehr zu holen.

Der Hafen versandet, die Fabriken verrosten. Nur das bittersüße Aroma von geröstetem Kakao ist aus Ilhéus im Nordosten Brasiliens nicht wegzukriegen.

Und die Erinnerung ist geblieben an jene rauschende Zeit von "Gabriele wie Zimt und Nelken", die Jorge Amado beschrieben hat: die Epoche der Kakao-Könige, die Pferde aus englischen Ställen ritten und ihre Söhne ins "Moulin Rouge" an die Seine schickten.

Fast zwei Jahrhunderte lang beherrschten die Plantagenherren aus Bahia den Welthandel mit Kakao. Das Monopol machte sie reich, mächtig, aber auch faul.

Sie begnügten sich damit, ihr Geld zu verprassen, statt es, wie die Kaffeebarone von SÆo Paulo, in neue Unternehmen zu stecken. So erging es den Cacauicultores nicht anders als den Rohrzuckerkönigen im Nordosten und den Kautschukbaronen in Amazonien: Der Rausch vom Reichtum verflog, und der Kater über verpaßte Chancen machte sich breit. Denn seit den sechziger Jahren kultivieren andere tropische Länder in Afrika und Asien mit modernen Methoden die Regenwaldpflanze, deren Samen bereits von den Priestern der altindianischen Kulturen wegen ihrer anregenden Wirkung verehrt wurde und als Zahlungsmittel zirkulierte.

Die Elfenbeinküste, Ghana, Indonesien und Malaysia exportieren zusammen viermal mehr Kakao als Brasilien - und das zu Preisen, die wegen des Überangebots nur noch einen Bruchteil der früheren betragen. "Der Hexenbesen ist an allem schuld", jammern die Cacauicultores, aber sie müßten es besser wissen. Denn der verheerende Pilz (Crinipellis perniciosa) befällt in erster Linie alte und ausgelaugte Pflanzungen, die jahrzehntelang vernachlässigt wurden. Ist es nicht längst zu spät, das Ruder herumzureißen?

Der Agrarwissenschaftler Paulo Alvim meint nein - aber die Kakao-Farmer in Bahia müßten sich gewaltig umstellen: "Keiner wird mehr seine Fazenda per Telepathie bewirtschaften können", also das Unternehmen aus der Ferne leiten.