Als die einflußreichste Tageszeitung Schwedens, Dagens Nyheter (DN), am 21.
Oktober dieses Jahres ihren Lesern eine 64 Seiten dicke Extrabeilage bescherte, auf deren Titel die Frage prangte: "Wer verdiente am Zweiten Weltkrieg?", da waren viele überrascht und manche auch unangenehm berührt.
Denn das liberale Blatt aus Stockholm hatte längst Verdrängtes und Vergessenes aufgerührt: die streckenweise sehr problematische Rolle, die Schweden hinter dem Paravent seiner Neutralität im Zweiten Weltkrieg spielte.
Der Report der DN läßt keine der schmerzlichen Wahrheiten aus: Berichtet wird von den Finanzbrüdern Marcus und Jakob Wallenberg, cleveren Grenzgängern zwischen Alliierten und HitlerDeutschland, denen die Mehrung des Familienvermögens über alles ging. Beschrieben wird, wie Schwedenstahl gegen Nazigold getauscht wurde und Regierung und Reichsbank als Hehler daran mitgewirkt haben. Von der Arisierung schwedischer Unternehmen ist die Rede, von blankpolierten schwedischen Kugellagern zur Herstellung deutscher Kriegsgeräte und von der Entlassung jüdischer Mitarbeiter schwedischer Firmen aus Rücksicht auf Geschäfte mit Nazideutschland. Es wird erzählt, wie heikle Akten, die Klarheit über so manches zweifelhafte Kriegsgeschäft hätten schaffen können, gegen Ende des Krieges und danach spurlos aus staatlichen Archiven verschwanden. Und deutlich wird auch, wie kaltschnäuzig schwedische Historiker die Kriegsverwicklungen ihres Landes jahrzehntelang geschönt und zurechtgebogen haben.