In hellem Glanz wird einstens neu erstehen, was man zerbrochen und zerschlagen. In neuer Schönheit strahlend, doppelt schön, wird Österreichs Ruhm durch alle Welt getragen. Not, Leid und Kummer hat uns neu geschenkt dies Land, das man schon fast verloren meinte. Und aus dem Boden, der mit Blut getränkt, erstand das Wort, das alle uns vereinte: Österreich!"

Letzte Worte, die erste sein wollen. Sie stehen am Ende des Films "Sturmjahre - Der Leidensweg Österreichs" von Frank Ward Rossak aus dem Jahr 1947, und sie beschwören eine Nation, deren Mythos, Identität und eigener Stand erst im Werden sind. Aber sie nehmen Inhalt wie Mittel des Mythos schon vorweg.

"Sturmjahre" spricht von der Opferrolle Österreichs im und vor dem Zweiten Weltkrieg, von der Schönheit des Landes und seiner Kultur - und wie es scheint, kennt dieses Sprechen kaum ein Stottern, Stolpern, keine Störung in der Verknüpfung von Bildern und geschichtlichen Bewegungen. Doch so flüssig und schlüssig kann im Kino eines aus dem anderen gar nicht folgen, daß nicht ein Überfluß und Überschuß lebendig bliebe diesseits des Mythos. Ein kleiner Bub zum Beispiel, der blonde Franzl, der in der Wiener Nachkriegstrümmerlandschaft von "Sturmjahre" seine Mutter sucht. "Wir wollen für den Frieden kämpfen!" Aber die Mutter ist tot.

Daß Film in Österreich, schon in der Nachkriegszeit und heute immer noch, nicht ernst genommen werde, ist ein altes Klagelied. Die Erwachsenen und die erwachsenen Künste sehen Film an wie ein Kind. Deshalb gibt es, und dies ist die verbreitete, verhärtete Auffassung vom österreichischen Kino, ein Filmchenschema, das dem Kindchenschema folgt einen Blick, dem alles niedlicher, süßer, unschuldiger gerät, als es in Wirklichkeit ist. Das Kind Sissi, die Mädchenkaiserin, ist (auch außerhalb Österreichs) das gültige Sinnbild dieser Auffassung, für Apologeten wie für Kritiker. Letztere können im Kind Romy Bestätigung finden - die Rebellion am Ende der Mädchenjahre, die Flucht ins Ausland, um dort erwachsen zu werden: Film in Frankreich! Daß diese Schauspielerin schon in der starren Sissi-Welt mit ihrer eigenen Lebendigkeit Hitze durch Reibung erzeugte, das wollen die wenigsten gesehen haben.

Es gibt noch ein anderes Kind im Nachkriegskino, im neuen italienischen Realismus vor allem, das dem Filmchenschema zuwiderläuft. Es läuft durch Straßen, steht fragend in Ruinen herum und berührt die Wirklichkeit, renitent gegenüber dem Fluß der alten Filmgeschichten und der neuen Wiederaufbaumythen. Eine offene Wunde. Das ist der Knabe Edmund in Roberto Rosselinis "Germania, anno zero", Edmund, der sieht und nicht mehr sehen will, der tötet und sich am Ende in die Tiefe stürzt. Seine Geschwister und Wiedergänger, seine flüchtigen Schatten im österreichischen Film, sind kaum bekannt oder verschüttet. Aber sie existieren. Franzl, der Bub aus Österreichs zurechtgebogenem "Jahr Null", ist ihre früheste Erscheinung.

In "Anschluß an Morgen", einem gerade erschienenen Band zum österreichischen Film seit 1945, schreiben Elisabeth Büttner und Christian Dewald: "Die Kraft des Kinos, zu sehen zu geben, ist stärker als sein Vermögen zu verschleiern.

Die ,sichtbare Geschichte' des Kinos bewahrt ein enormes Gedächtnis."