Berlins marode Wirtschaft ist um eine Erfolgsstory reicher: Die erstmals in diesem Jahr eingesetzten Fahrradrikschas sollen zum Exportschlager avancieren.

Der Berliner Wirtschaftssenator Elmar Pieroth ließ es sich nicht nehmen, persönlich den Erfolg des neuen Verkehrsmittels bekanntzugeben: "Velotaxi, eine Innovation aus Berlin." Lob zollte er damit einer Idee, die, bislang einmalig in Europa, im Frühjahr in der Hauptstadt in die Praxis umgesetzt wurde: Fahrradrikschas im Liniendienst auf Berlins Boulevards.

Knapp 100 000 Fahrgäste dürften, vorsichtig geschätzt, in diesem Sommer auf dem Ku'damm, Unter den Linden und im Berliner Tiergarten Velotaxi gefahren sein. Die Betreiberfirma setzte mit Werbung an den Fahrzeugen sowie Sonderfahrten bei Kongressen, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen 800 000 Mark um und machte 150 000 Mark Gewinn.

Die Rikschafahrer selbst erhielten den vollen Fahrpreis von den Gästen: zwischen zwei und fünf Mark je Kunde.

Rund ein Drittel der Velotaxi-Benutzer waren Berlin-Besucher, der Rest Einheimische. Darum wollen die Touristikwerber der Stadt im nächsten Jahr in den Gästepaß "Welcome Card" auch einen 30-Prozent-Rabatt-Gutschein für eine Fahrt mit dem neuen Verkehrsmittel aufnehmen.

"Neben den jetzt drei Linien gibt es dann auch eine vierte durch die berühmte Oranienburger Straße", kündigt Velotaxi-Geschäftsführer Ludger Matuszewski an.

Außerdem will er seine Idee auch als Franchise-Objekt exportieren. Zur Zeit gibt es Verhandlungen mit Investoren in München, Münster und Hamburg sowie in Frankreich, Italien und Spanien, die das Konzept gegen Gebühr übernehmen möchten. Auch die selbstentwickelten Rikschas mit Platz für je zwei Gäste und neu gestaltetem Liegesitz für den Fahrer will Ludger Matuszewski nach erfolgter Serienreife liefern. "In Indien werden die Fahrradrikschas abgeschafft, in Europa fahren sie wieder", freut er sich. Aus dem Berliner Straßenbild waren die Fahrzeuge in diesem Sommer nicht mehr wegzudenken.