DIE ZEIT: Was werden Sie als der Jüngste ganz anders machen?

RUDOLF MEISTER: Es scheint mir nicht mehr möglich, als Musikhochschule hinter verschlossenen oder nur halb geöffneten Türen zu arbeiten. Wir müssen aus dem Haus herausgehen und uns draußen darstellen, der Öffentlichkeit ein kulturelles Leben bieten. Dann müssen die Musiker einige Hemmschwellen überwinden, weil uns anerzogen worden ist, vornehm uns zurückzuhalten und andere applaudieren zu lassen.

ZEIT: Benötigen wir heute noch so viele Musiker? Brauchen wir also 23 Musikhochschulen in der Bundesrepublik?

MEISTER: Wir haben die Finanznot der öffentlichen Hand vor Augen. Was wir nicht ganz so wahrnehmen, ist das Interesse der Bevölkerung an Musik. Die Zahl der Musikveranstaltungen nimmt immer weiter zu, und es ist wohl auch eine stärkere Bereitschaft des Publikums zu verspüren, sich kostenmäßig zu engagieren.

Die soziale Stellung von Musikern, die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze ist nicht, wie sie wünschenswert wäre, aber ich kenne eigentlich keinen Musiker, der nicht genug zu tun hätte. Es wird schwieriger werden mit den Festanstellungen, beispielsweise von Orchestermusikern. Wir werden also gezwungen sein, unserer Gesellschaft beizubringen, daß Kultur wieder - so wie früher - eine Sache ist, für die man bezahlen muß. Ich bin durchaus optimistisch, daß, wenn man es behutsam und allmählich macht, es auch akzeptiert werden wird.

ZEIT: Sie haben bei Ihrer Amtsübernahme eine Reihe von Wünschen angemeldet.

MEISTER: Wir sind in Baden-Württemberg wie allenthalben in großen Spardiskussionen. Wir möchten nun nicht noch schlechter gestellt werden - ein Sonderopfer Musikhochschulen kann es nicht geben. Zumal wir in der Zukunft wichtige Aufgaben haben, wie das Ministerium selber anerkennt.