In der politischen Rede galt jahrelang ein ungeschriebenes Gesetz: Der Außenpolitiker weicht aus, der Innenpolitiker schlägt zu. Spätestens seit Klaus Kinkel ("Wir müssen die Serben in die Knie zwingen") ist diese Regel außer Kraft. Jemandem rhetorisch "das Rückgrat zu brechen" (Kinkel) ist im Deutschen zu einer leichten Übung geworden.

Am Dienstag war es Günter Verheugen, der Koordinator für internationale Beziehungen der SPD, der auf die Frage nach dem Deutschlandbild der Amerikaner antwortete: "Entweder halten sie uns für dickbäuchige, biertrinkende, lederhosentragende Deppen, oder sie halten uns für Nazis."

Das ist ein überaus klarer Kommentar, der keine weiteren Fragen aufwirft, außer vielleicht der einen: Wie steht es um das Amerikabild mancher Deutscher?

In dem Maße, in dem die Außenpolitik deutlich wird, hüllt sich die Innenpolitik in Nebel. Als Wolfgang Gerhardt, der Vorsitzende der FDP, gefragt wurde, was geschehe, wenn sich die Koalition nicht über eine Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts einigen könne, antwortete er: "Dann wird der Sachverhalt keiner Regelung zugeführt."

Ein Sachverhalt, der zugeführt wird, und zwar keiner Regelung - das ist finsterster Bürokratismus, der selbst den "finalen Rettungsschuß" und die "Freisetzung von Arbeitskraft" als luzide Synonyme erscheinen läßt.

Außen muß wieder außen werden und innen wieder innen. Wäre Günter Verheugen auf die Idee gekommen, das Deutschlandbild der Amerikaner zu einem Sachverhalt zu erklären, der über kurz oder lang einer befriedigenden Lösung zugeführt wird, hätte er dieselbe Wahrheit verkündet, ohne jedoch die Amerikaner und ein bißchen sich selbst zu kompromittieren.

Und Wolfgang Gerhardt wäre vermutlich seinem Gegenstand gerechter geworden, hätte er die Diskussion über die Staatsangehörigkeit mit den klarstellenden Worten kommentiert: "Wollen Sie wissen, was ich von den CSU-Kollegen halte, die seit Jahren einen Kompromiß blockieren? Das sind dickbäuchige, biertrinkende, lederhosentragende Deppen!"