Politisch war Ralph Reed, 35, schon immer, lange bevor er christlich wurde. Im achten Schuljahr errang er einen, wie er selber sagt, "erdrutschartigen Sieg" bei der Wahl zum Vorsitzenden der Schülermitverwaltung. An der Universität von Georgia leitete er die Studentengruppe der Republikaner und stritt leidenschaftlich für die Todesstrafe. Er rauchte und trank. Aber 1983 gab er Alkohol und Zigaretten von einem Tag auf den anderen auf. Ebenso plötzlich kam ihm der Entschluß, sich dem Christentum zu verschreiben. Gleichwohl blieb er noch in der Politik. Es gab da einen, den er sich zum Vorbild auserkoren hatte, Lee Atwater. Atwater sollte jung sterben, an einem Gehirntumor. Zuvor hatte er es noch zum Wahlkampfmanager von George Bush gebracht. De mortuis nil nisi bene, aber Atwater war doch die geborene Dreckschleuder. Er perfektionierte die Taktik des Anschwärzens des politischen Gegners.

Reed tat seinen Teil, gründete noch zu Zeiten Ronald Reagans die Students for America. Auf einer Siegesfeier des ultrakonservativen Senators Jesse Helms lernte er eine von dessen Wahlkampfhelferinnen kennen, die damals erst sechzehnjährige Anne Young. Bald heiratete er sie: Sie brach ihr Studium ab, wurde Mutter dreier Kinder.

Pat Robertson lief er erst 1989 in die Arme, ausgerechnet auf der Amtseinführungsfeier von Bush. Der Fernsehprediger hatte dem Nachfolger Reagans viel verdorben, weil er sich damals selber um die Kandidatur der Republikaner bemühte und fast die konservativen Stimmen gespalten hätte.

Robertson wußte, daß sein Talent nicht im Organisieren lag. Instinktiv machte er dem damals 27jährigen Reed das Angebot, als Direktor der Koalition den christlichen Kreuzzug auf Washington zu organisieren. Der nahm an, bekam dafür 122 500 Dollar Jahresgehalt.

Er hat die Christian Coalition in acht Jahren in einen straff geführten Verband verwandelt, hat sich selber in der Öffentlichkeit mit geschickten Fernsehauftritten profiliert. Da er nun die Koalition verläßt, verliert diese ihren besten Mann. Die christlichen Fundamentalisten aber gewinnen. Denn Reed kann fortan als privater politischer Berater vielen Herren dienen.