Die Sotheby's-Kundin war entsetzt: "Das ist ja hoffnungslos unmodern."

Zweifellos wollte die teuer behängte Dame von der Upper East Side eigentlich zur Juwelenauktion und hatte sich nur versehentlich in den Raum verirrt, der Pariser Couture der fünfziger bis achtziger Jahre zeigte. "Häßlich", flüsterte ihre Freundin, die chirurgisch gespannte Stirn zu einer vorsichtigen Falte zusammengezogen.

Verglichen mit der gleißenden Ewigkeit in den Vitrinen nebenan wirkten die einst extravaganten Kreationen von Jacques Fath, Dior und Valentino tatsächlich welker als ihr guterhaltenes Publikum. Leicht schäbig, nahezu rührend, melancholisch wie alle alten Eitelkeiten. Schreckensstarr standen die früher einmal couragierten Kleider am Abend der Versteigerung auf ihren Schneidertorsi im Rampenlicht, verlegen über die zu lange Schleppe, die zu üppige Rüsche, die flatterhafte Organzafahne. Wenn schon die aktuelle Haute Couture als reine Laufstegmode gilt, geht man mit den verblichenen folies de la mode ein wahrlich untragbares Risiko ein.

Doch versichert Tiffany Dubin, die Leiterin des neuen Modedepartements bei Sotheby's New York, daß wir die rosa Perlenfransen eines Jean-Dessès-Kleides aus dem Jahr 1961 bald an einem prominenten Körper sehen werden. Auf der Auktion von Prinzessin Dianas Outfit bei Christie's gaben Damen der Gesellschaft aus royalistischen Fetischismus unter Applaus Zehntausende von Dollar für getragene Textilien aus. Dieses hier ist laut Dubin etwas anderes: Ihrer Kundschaft aus der Mode- und Filmwelt gehe es darum, die Garderobe um ein paar Unikate zu ergänzen. Deshalb will sie für die nächste Auktion im April, gleich vor der Fashion Week, mehr "eine Beziehung zu den aktuellen Trends herstellen". Sie denkt dabei an Paco Rabanne und Courrèges, die zur Zeit als hip gelten.

Von den knapp hundert Kleidungsstücken, die Dubin in diesem Sommer dem sicheren Dunkel aristokratischer Schränke entriß, brachte Diors New Look bei der ersten Couture-Auktion aller Zeiten die höchsten Summen: ein Cocktail-Ensemble aus dem Jahre 1958, von Yves St. Laurent für Dior kreiert, wurde für 17 250 Dollar ersteigert.

St. Laurents Schöpfungen aus den siebziger Jahren stießen dagegen auf erstaunlich geringes Interesse bei dem eher reservierten Publikum, das auch von der Aura ihrer ehemaligen Besitzerin Catherine Deneuve nicht weiter geschürt werden konnte. Überhaupt vermarktet der Katalog die Comtessen, Vicomtessen und Prinzessinnen, die in diesen Abendroben einmal Pariser Bälle zierten, bis über die Peinlichkeitsgrenze hinaus. Ein matronenhaftes Stück von Valentino hätte niemals seine 3000 Dollar bekommen, wäre es nicht einmal im Besitz einer gewissen Mme. Farah Pahlevi aus Paris gewesen.

Verständlicher ist es, für das Givenchy-Kostüm 10 350 Dollar auszugeben, das Audrey Hepburn in ihrem Klassiker "How to Steal a Million" trug. Um Illusionen vorzubeugen: Es ist nicht leicht, sich in den nun von der frivolen Mode zur Kunst avancierten Sammlerstücken zu bewegen. "Waschen Sie Ihre Hände. Entfernen Sie alle Ringe. Seien Sie vorsichtig mit langen Fingernägeln. Rauchen, trinken und essen Sie nie. Tragen Sie kein Make-up", lauten die dem Katalog beigefügten Ermahnungen zum Umgang mit Haute Couture.