BAD BIBRA. - Deutsche Küche ist, wie man weiß, die Summe vieler Regionalgerichte. Zu ihren in ganz Deutschland bekannten, obgleich außerhalb des Dunstkreises seiner heimatlichen Küche nur selten anzutreffen, zählt der pfälzische Saumagen. Vielleicht, weil ihm zugeschrieben wird, daß er, im Wechsel mit Spaghetti carbonara genossen, zu einer stattlichen Erscheinungsform führt.

Nicht jedes Erzeugnis regionaler Kochkunst hat im vereinigten Deutschland derart grenzüberschreitenden Ruhm gefunden. Eines der leckersten Desserts etwa, das Quarkkeulchen, ist außerhalb Sachsens nahezu unbekannt geblieben.

Ermangelt ihm die werbende Unterstützung an höchster Stelle des Freistaats?

Fehlt es bei Staatsbesuchen als krönender Abschluß beim Festschmaus in Dresden? Wird vielleicht sein Diminutiv als anzüglich empfunden? Oder schirmen die Patisseure des Landes die Zubereitung von Quarkkeulchen und der delikaten Eierschecke als Symbole sächsischer kulinarischer Identität eifersüchtig gegen fremde Naschsucht ab? Etwa nach dem Motto: Nu, macht ihr doch euren Nachtisch alleene.

Die Küchen im vereinten Deutschland geben manches Rätsel auf. Zum Beispiel ist in Parchim (Mecklenburg), in Wittstock an der Dosse (Brandenburg), in Meiningen (Thüringen), in Freiberg (Sachsen) ebenso wie in Bad Bibra (Sachsen-Anhalt) auf den Speisekarten die Soljanka zu finden, ja, sie steht im gesamten Beitrittsgebiet dort sogar durchgängig unter den Suppen an erster Stelle. Die Soljanka ist also sozusagen dem Angebot für den ersten Gang im deutschen Menü beigetreten. Aber irgendwie, wie ja auch manches andere Ostdeutsche, nicht angekommen.