Er ist überzeugt, einen direkten Draht zu Gott zu haben. Auf einer Pressekonferenz sagte er einmal, "ich glaube, Gott sprach zu mir". Und auserkoren ist er auf jeden Fall vom Allmächtigen: "Er reichte herab und griff sich einen am Boden zerstörten Football-Trainer." Ja, das war Bill McCartney, 57, bevor er sich ganz der Verkündigung verschrieb: ein Coach für die so gar nicht sanfte Mischung aus Kriegsspiel und Massenkeilerei, genannt Football. Und zwar kein schlechter.

Als er bei der University of Colorado anfing, da war eine typische Saison für deren Buffaloes ein einziges Trauerspiel. Von elf Spielen gewannen sie 1984 nur ein einziges. Fünf Jahre später hatte er die Mannschaft auf den rechten Weg geführt: keine Niederlage in der regulären Spielzeit. Im Jahr 1990 spielten die Buffaloes noch besser. Sie siegten auch in der Nachsaison und gewannen im Endspiel der College-Mannschaften, der Orange Bowl. Das brachte McCartney den Titel "Coach des Jahres" ein und - Universitätssport ist Big Business - einen Vertrag über fünfzehn Jahre mit einem Jahresgehalt von 350 000 Dollar.

"Coach" nennen seine Freunde und Anhänger ihn heute noch. Gebetet hat er schon damals. Vor den Spielen stellte er sich an die Stühle, auf die sich gleich danach die Jungs zu einem letzten aufmunternden Vorbereitungsgespräch setzen würden. Mit den Händen auf den Rückenlehnen erflehte er so, Stuhl für Stuhl, spielerisches Können für die ihm Anvertrauten. Er wurde zum Dauerbeter. Am Spielfeldrand, in der Umkleidekabine, im Auto, zu Hause - überall fand er die Ruhe zur inneren Einkehr.

Und so gründete er eine Bewegung für bußfertige Männer. Sie sollte sich Promise Keepers nennen. Das war 1990, McCartney noch Coach, und damals will er eine Vision gehabt haben, von Sportstadien, gefüllt mit Männern, die bereit sind, sich ganz dem Christentum zu verschreiben.

Er und seine Frau Lyndi waren Katholiken. Noch als Studenten ließen sie sich in der Glut des protestantischen "College-Kreuzzug-für-Christus" für den Evangelismus entfachen. Aber in der Zeit zwischen der Vision und seinem vollständigen Rückzug vom Sport 1994 passierten persönliche Tragödien, die beeinflußten McCartney womöglich mehr als die Fingerzeige von oben. Seine Tochter bekam zwei Kinder, beide unehelich, beide von verschiedenen Stars seines Teams. Und während seine drei Söhne das Haus verließen, er mit der Mannschaft unterwegs war, sank Lyndi in tiefe Depressionen.

Als Coach allerdings fand er Gehör. Seine Philippiken gegen die Abtreibung waren überall zu vernehmen, am lautesten aber wohl doch im heimischen Boulder. Dort wurde die Abortion Clinic von Doktor Warren Hern unter Beschuß genommen, buchstäblich, mit Gewehren. "Psychologischen Schutz" habe McCartney den Heckenschützen gewährt, sagt Hern. Und: "Die Promise Keepers sind eine faschistische Bewegung." Politische Ambitionen bestreitet McCartney.

Allerdings würde er Präsident der Vereinigten Staaten werden - aber nur wenn Gott ihn dazu beruft.