Alan Sokal hat die postmoderne Wissenschaftsszene mit der Parodie eines gelehrten Essays aufgemischt, in dem lauter unsinnige, aber leider authentische Aussagen französischer und amerikanischer Denker über Mathematik und Physik eingestreut waren. Der Unfug ging als seriöser Beitrag durch und wurde gedruckt, zur Genugtuung des Physikers Sokal. Der leichtfertige Gebrauch technisch-mathematischer Metaphern durch Meisterdenker wie Lacan, Kristeva, Irigaray, Baudrillard und Deleuze war als leere Autoritätsgebärde, wenn nicht gar als Symptom intellektueller Unredlichkeit entlarvt. Sokal beschied sich aber nicht mit seinem Triumph, sondern legte zusammen mit Jean Bricmont ein Buch vor, das die ganze Fülle des pseudowissenschaftlichen Nonsens ausbreitet, der durch das französische Denken wabert. Daß auch diese zweite Attacke saß, bewiesen die rührend hilflosen Abwehrversuche der Angegriffenen: Es handele sich um eine antifranzösische Kampagne, es gehe in Wirklichkeit nur um die Verteilung von knappen Forschungsgeldern - oder, so die kuriose Replik von Pascal Bruckner, das Ganze sei ein Mißverständnis zwischen einer "angelsächsischen Kultur, die auf Fakten und Informationen basiere", und der mehr auf "Interpretation und Stil" beruhenden französischen. In seiner Antwort (TLS vom 17. 10.) hat Sokal nun wieder leichtes Spiel: "Von einem britischen oder amerikanischen Autor vorgebracht, wäre diese Aussage ein Zeichen nationalistischer Gesinnung, eine beleidigende Verwechslung von Haute Culture mit Haute Couture. Taugt sie mehr, wenn sie von einem Franzosen kommt?" Tja, das leidige Relativismusproblem - gewissermaßen in a nutshell, wie der Angelsachse sagt.