Am Dienstag dieser Woche ließen sich die Chefs die Schularbeiten vorlegen, die neunzehn Arbeitsgruppen in großer Eile bewältigt hatten. Das Ergebnis übertraf ihre Erwartungen: Der finanzielle Vorteil einer Fusion von Krupp und Thyssen liegt mit weit mehr als 400 Millionen Mark jährlich damit deutlich über jenen 250 Millionen Mark, die bei einem Zusammengehen beider Unternehmen mindestens herausspringen sollten. Der bei der Fusion anfallende "Einmalaufwand" hält sich in vertretbaren Grenzen, die "Auswirkungen auf die Beschäftigung" - Arbeitsplatzverluste also - seien gering und überdies weltweit verteilt.

Bei solchen Auspizien mochten sich die Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden der beiden Unternehmen nicht länger zieren. Sie waren sich, so eine gemeinsame Presseerklärung, "grundsätzlich darüber einig, ihren Eigentümern und zuständigen Gremien die Verschmelzung von Thyssen und Krupp vorzuschlagen".

Mit diesem Ergebnis eines Gespräches, zu dem die Ehrenvorsitzenden der Aufsichtsräte von Krupp und Thyssen, Berthold Beitz und Günter Vogelsang, eingeladen hatten, ist die Sache klar. Die Fusion steht, noch offene Fragen sollen bis Ende November geklärt werden.

Vorrangig geht es darum, wer das gemeinsame Unternehmen leiten soll und wie die bisherigen Aktionäre von Krupp und Thyssen an der neuen Gesellschaft beteiligt werden. Gerhard Cromme oder Dieter Vogel lautet also die erste Frage - einer von zwei Spitzenmanagern wird den Hut nehmen müssen. Vogel und Cromme kann man wohl nicht zusammenspannen. Schon gar nicht nach dem Versuch Crommes, Thyssen mit einer "feindlichen Übernahme" zu schlucken.

Wer am Ende das Nachsehen haben wird, ist noch offen. Vogel hat sicherlich den Vorteil, Chef der größeren Gesellschaft zu sein. Und er hat zumindest die Arbeitnehmervertreter von Thyssen hinter sich, weil die in ihm den Mann sehen, der sie vor der Übernahme durch Krupp gerettet hat. Außerdem verspricht er, es werde wie jetzt bei Thyssen auch in der neuen Gesellschaft die Montanmitbestimmung gelten.

Cromme hat dagegen vermutlich größeren Rückhalt im Lager der Anteilseigner - die Deutsche und die Dresdner Bank haben kaum vergessen, wie Vogel sie attackierte, als sie Cromme die Übernahme von Thyssen finanzieren wollten.

Entscheidenden Einfluß könnte überdies Berthold Beitz nehmen - ohne "seine" mit Mehrheit an Krupp beteiligte Stiftung gibt es keine Fusion.