Die britische Regierung testet ein neues wirtschaftspolitisches Instrument: die große Klappe. Sie kommt beispielsweise in der Europapolitik zum Einsatz, wo Tony Blair und sein Schatzkanzler Gordon Brown gerade vor dem Euro gekniffen haben und bis zur Wahl nichts mehr entscheiden wollen. Doch offiziell klingt alles anders: Die "Zeit der Unsicherheit" in Europafragen sei endgültig vorbei, verkündet Brown. Und Notenbankchef Eddie George findet, Großbritannien solle als ein "Land vor dem Beitritt" ("Pre-In") gesehen werden.

Die Sprüche gehen an die Adresse der Wirtschaft. Dort richten die hohen Zinsen, das starke Pfund und vor allem die Unsicherheit gerade großen Schaden an. Grimmig erinnert man sich daran, daß Labour doch eigentlich mit dem short termism aufräumen wollte - dem auf der Insel besonders ausgeprägten, kurzfristigen Streben nach Profit und Dividenden. Es schadet langfristigen Investitionen, der Fortbildung und der Forschung. Doch langfristig kann ein Unternehmer nur planen, wenn ihm die Zukunft berechenbar erscheint. Jetzt weiß er nicht mal, in welcher Währung er demnächst seine Rechnungen schreiben soll.

Die britischen Finanzmärkte glauben weniger denn je an die baldige Ankunft des Euro. Nun will Schatzkanzler Brown das Steuersystem umbauen, um den short termism zu bekämpfen. Wenn er so weitermacht wie bisher, geht das nach hinten los. Denn gleich zu Beginn hatte er Versorgungsunternehmen mit einer Sondersteuer belegt - und zwar rückwirkend. Seine Reform der Dividendenbesteuerung schadet vor allem der Altersvorsorge. Beides bestens geeignet, Unsicherheit zu stiften.