Gold rahmt Louis Gurlitts Landschaften. Ein Bilderrahmenhistoriker hätte Freude an der Ausstellung im Altonaer Museum. Ein Biograph auf der Suche nach dem Lebensmotiv des Kunstmalers ebenfalls. Louis Gurlitt (1812-1897) war Sohn des Altonaer Golddrahtziehers Johann August Wilhelm Gurlitt, eines von achtzehn Kindern.

Schon früh zeigte der Knabe Talent zum Zeichnen, wurde mit sechzehn in die Lehre bei Siegfried Bendixen (heute kennen ihn nur noch Hamburgensien-Sammler) gesteckt und zog nach vier Jahren an die Akademie in Kopenhagen. Ziel des Handwerkerkindes: die Goldmedaille erringen, denn mit ihr verknüpft war ein Reisestipendium nach Rom.

Mit der Goldmedaille wurde es nichts. Schuld daran war auch Gurlitts Spezialgebiet. Die Landschaftsmalerei galt nur als "eine Art Flechte und Moos am großen Stamm der Kunst", wie Peter Cornelius damals einer der Künstlerstars. schrieb. Noch zählten Historiengemälde mit sanften Marien mehr als die Ansichten norwegischer Fjorde. Gurlitt machte sich auf den Weg in ein anderes Kunstzentrum jener Zeit, zog nach München, wo König Ludwig I. die Künstler protegierte.

Stets praktisch denkend, paßte er sich erfolgreich an. In Kopenhagen zu detailgetreuem Naturstudium angehalten, lernte er hier zu idealisieren. Die früher ausgedehnten Aufenthalte im Freien verkürzte er zu Motivsuche-Exkursionen. Im Atelier formte Gurlitt dann, was er auf seinen Skizzen fand, zu schönen Linien in poetischen Farben. Dänischer Realismus verkoppelt mit Münchner Idealismus: das wurde Gurlitts Erfolgsrezept. Er malte botanisch benennbar Brennesseln, zottige Knicks und nackten Stein und goß über alles goldenes Nachmittagslicht. Er fabrizierte topographisch wiedererkennbare Orte und besserte sie mit modulierten Hängen, romantischen Halbinseln, dramatisch verstärktem Baumbestand.

Im Lauf seines langen Lebens reiste der Altonaer Maler quer durch Europa, immer auf der Jagd nach grandiosen Motiven, reichen Freunden, Liebhabern, Käufern seiner Kunst. Selbst konservativ gesinnt, fand er sie in den gehobenen Kreisen, bei Christian VIII., Dänemarks König, bei Herzog Ernst II.

von Sachsen-Coburg-Gotha, bei den schleswig-holsteinischen Gutsbesitzern, bei Fürsten und Generälen. Lange Jahre war er begehrter Modemaler, später ein Künstler, an dem die Zeit vorüberzog. Der Besuch der Pariser Weltausstellung 1855, wo Bilder der Schule von Barbizon gezeigt wurden, ließ ihn unberührt.

Doch wäre es verkehrt, ihn an den Erneuerern der Landschaftsmalerei, an Courbet, Turner oder Blechen messen zu wollen. Für die Etappenzähler der Kunstgeschichte liefert dieser Maler golden gerahmter Naturszenen kein lohnendes Sujet.